Ein Kraut bei Hühneraugen

Die Felsen-Fetthenne hilft aufweichen

Der Küchenhof unseres Klosters in Geras ist ein Ort des Rückzugs und der Ruhe. Umgeben von den Gängen, die einst als offene Arkaden das Geviert umrahmten und seit dem 18. Jahrhundert vermauert und mit Fenstern versehen wurden, verweilen dort gerne auch die Gruppen der Touristen, die durch unsere alte Abtei geführt werden. Es sind nicht nur Rosen und Lavendel, die entlang der gepflasterten Wege des geschützten Innenbereichs gepflanzt sind. In den Bereichen der Drainagen, die wiederum mit Kieselsteinen gefüllt sind, sitzt ein ganz besonderes Gewächs. Es ist die Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre), die eben auch zwischen Geröll und Steinen ihr Auslangen zu finden vermag. In der Familie der Dickblattgewächse gibt es eine eigene Artengruppe mit Namen Sedum. Am bekanntesten unter ihnen ist wohl der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre), ein naher Verwandter der Felsen-Fetthenne. Für gewöhnlich siedeln sich diese Pflanzen in felsigen Hängen des Gebirges oder entlang von Flusstälern an, wie dies u.a. für das Waldviertel für Kamp und Thaya charakteristisch ist. Doch findet man die äußerst hitze- und trockenbeständigen Gewächse genauso an Ruinen und sogar am Rande von geschotterten und gekiesten Wegen. Warum die Tripmadam, wie die Felsen-Fetthenne auch gerne landläufig benannt wird, gerade bei uns in der Nähe der klösterlichen Küche gesetzt wurde, kann ich mir nur so erklären, dass man in früheren Zeiten die Blätter des Sukkulenten dazu verwendete, um kalte Speisen und Salate zu würzen. Man kann in den Wuchsteilen des Krautes und da vor allem in den Blättern einen Anteil an Vitamin C entdecken. Gerbstoffe und Flavonoide sind ebenso dort zu finden. In ganz bescheidenen Mengen ist es sicherlich auch heute noch möglich, dieses eher selten zu findende Kraut zu verwenden. Doch möchte ich dazu raten, die Felsen-Fetthenne äußerlich zu gebrauchen. Ein Thema dafür sind Hühneraugen.

Aufweichende Wirkung

Bei Hühneraugen an den Zehen kann man in folgender Weise vorgehen, um diese aufzuweichen: von den Blättern der Felsen-Fetthenne zieht man die äußere Schicht in Form von winzigen Lappen ab und legt sie auf das Hühnerauge auf. Die Haut rund um die verhornte Druckstelle reibt man zuvor mit Schweineschmalz ein. Man kann auch eine Mullbinde darüber geben.

Tripmadam oder Fetthenne (Sedum rupestre) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kommentare geschlossen.