Drei Zutaten für die Nerven

Quendel als Grundlage

Die Rahmenbedingungen für das Wohlbefinden verdienen durchaus unsere Beachtung. Denn immerhin vermissen wir dieselben, wenn wir nicht gut drauf sind und uns schlecht fühlen. Meist können wir den Grund dafür nennen. So z. B. ein fröhlicher Abend mit einem guten Tropfen, der gar lang bis in die Nacht dauerte. Nun gut, da darf man schon Verständnis dafür haben, solange es keine häufigen Wiederholungen in nur kurzen Abständen gibt. Für gewöhnlich sind wir bei den Kräutern und anderen gesunden Gaben der Natur besser aufgehoben. Gerne weise ich daher wiederholte Male auf den Quendel (Thymus serpyllum) hin, den ich u. a. voller Stolz bei den Kräuterwanderungen durch das Thayatal als wahren Schatz der Schöpfung präsentieren kann. Dieser Lippenblütler breitet sich auf trockenen Wiesen und Hängen in polsterförmigem Wuchs aus. Da er nur eine geringe Höhe erreicht, muss man manchmal schon genau schauen, um ihn zu entdecken, gerade dann, wenn hohes Gras in seiner Nähe steht. Aber meist weist ohnehin sein gutes Aroma unsere Nase auf die Anwesenheit des Quendels hin. In ihm bergen sich viele gute Substanzen wie etwa ätherisches Öl, das mit dem keimwidrigen und reinigenden Stoff Thymol angereichert ist. Wie alle verwandten Arten des Thymians erweist sich also die Wildform des Krautes für die Atemwege als stärkend und förderlich. Was aber mit der Atmung in engem physischen und auch psychischen Zusammenhang steht, das sind die Nerven. Wir benötigen diese Vermittler von Bewegungen und Vorgängen, damit die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem übrigen Körper direkt und klaglos funktioniert. Zudem sollen wir selbst als Personen gefestigt sein, damit wir uns den Anforderungen jedes neuen Tages stellen können. Meine Empfehlung ist es, die Nerven auf ganz natürliche Weise zu stärken.

Quendel, Honig und Zitronensaft

Von getrocknetem und zerkleinertem blühenden Kraut des Quendels nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser überbrühen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Mit Honig süßen und mit Zitronensaft ergänzen. Gut abschmecken, damit der Tee nicht zu sauer mundet. Morgens und abends trinken und damit die Nerven stärken.

Quendel oder Wilder Thymian (Thymus serpyllum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Haut straffen

Eine sanfte Methode mit Ysop

Heiterkeit bringt Licht in unser Leben. Oft werden wir niedergedrückt von Ängsten und Sorgen. Und dafür gibt es leider in der Tat berechtigte Gründe. Das ist aber letztendlich kein Argument, sich all den Herausforderungen der Gegenwart zu entziehen, sondern vielmehr das Menschenmögliche zu unternehmen, um die Welt wenigstens in der eigenen unmittelbaren Umgebung zum Besseren zu verändern. Daher sollten wir all jene Hilfen in Anspruch nehmen, die uns leiblich und geistig aufrichten und aufmuntern. Bei den Heilkräutern ist es vor allem der Ysop (Hyssopus officinalis), der dazu imstande ist. Als typisches Pflanzenkind Südeuropas erweist er sich als ausgezeichnetes Anregungsmittel für die Drüsen des gesamten Verdauungstraktes. Zudem trägt er eine starke krampflösende Wirkung in sich, was uns daran denken lässt, selbst eine gesunde Gelassenheit anzustreben, die darum weiß, dass zum Gelingen des eigenen Lebens nicht bloß das eigene Streben und Können notwendig ist, sondern es mindestens genauso viel des Segens und des Glücks von Gott bedarf. In der Sorge um die eigene Haut wird man wohl die Tatsache kaum übersehen, die sich im Nachlassen der Spannkraft der äußeren Schutzschicht unseres Körpers offenbart. Falten und Runzeln bereiten manchen unserer Zeitgenossen gar nicht selten Kopfzerbrechen, weil es ja gilt, möglichst jung und vital auszuschauen. Nun, in dieser Hinsicht wirkt der Ysop wahrscheinlich keine Wunder. Aber er kann zumindest einen Beitrag leisten, um das Gewebe der Haut zu stärken und ihr wieder mehr Spannung zu verleihen. Dazu muss man die Wirkkraft des Heilgewächses auch an sie heranlassen.

Hautstärkendes Bad

Von einem Gemisch aus getrockneten Blüten und Blättern des Ysops nimm man 100 g und stellt sie in 2 Liter kochendem Wasser zu. Dann kurz aufkochen und noch 10 Minuten ziehen lassen. Abseihen und als Badezusatz verwenden. Übrigens kann man den derart aufbereiteten Ysop auch als Gurgelmittel verwenden, wenn es gilt, das Zahnfleisch zu festigen, die Mundhöhle bei vorhandenen Bläschen auszuspülen und auch bei entzündeten Mandeln Linderung herbeizuführen.

Ysop (Hyssopus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zum hohen Fest der Kräuter

Lavendel in der Hauskosmetik

Mariä Himmelfahrt ruft heute viele Gläubige in die schönen Kirchen unserer Heimat. Wir feiern die Aufnahme der Gottesmutter und somit die Vollendung ihres Lebens in der dreifaltigen Liebe des Schöpfers. Nach einer Schilderung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus (*um 650) fanden sich im leeren Grab Mariens duftende Blumen und Kräuter. Diese Legende bildet bis heute den Hintergrund für die Segnung der Kräuterbüscherl an diesem hohen Ehrentag der Mutter Jesu. Selbstverständlich findet dieser Brauch auch in meiner Pfarrkirche Harth bei Geras statt. Aus den vielen wohlriechenden Kräutern möchte ich aber heute die Heilpflanze des Jahres 2019, den Lavendel (Lavandula angustifolia) herausgreifen, der wohl allen etwas bedeutet. Momentan erlebe ich es Tag für Tag, dass vor allem hungrige Hummeln in Scharen zu den noch offenen Blüten des Lavendels strömen, um dort den vorhandenen Nektar für sich und ihre Brut zu sammeln. Immerhin zeigt uns der Lauf der Sonne, dass es dem Herbst zugeht und daher für Mensch und Tier Reserven im Hinblick auf die vegetationsfreie Zeit anzulegen sind. Im Lavendel, der zu den Lippenblütlern zählt, befinden sich wertvolle ätherische Öle. Das prädestiniert ihn, einerseits ein gutes Aroma zu verbreiten und andererseits ebenso, die Nerven zu stärken und sogar die Verdauung zu unterstützen. Für die äußerliche Anwendung der Lavendelblüten eignet sich ein Öl-Auszug, mit dem wir in der Tradition der Kräuterpfarrer in Karlstein schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Dieser Lavendel-Ölauszug eignet sich ebenso gut für Massagen. Ein Lavendel-Badeöl steht übrigens auch im Sortiment zur Verfügung. Mein konkreter Tipp, den ich heute geben darf, bezieht sich auf die Verwendung von Essig. Die Herstellung desselben ist ganz einfach.

Lavendelblüten ansetzen

In 1 Liter qualitätsvollem Apfelessig setzt man 5 bis 7 frische oder getrocknete blühende Lavendelzweige an. 8 Tage lang in einer verschlossenen Flasche bei Zimmertemperatur stehen lassen und dann abseihen. 1/4 Liter genügt davon, um diese Menge als Badezusatz zu verwenden und damit die Haut zu stärken. Und in einem Verhältnis von 1 : 10 verdünnt, ist es möglich, diesen Ansatz als Deodorant an jenen Stellen des Körpers aufzutragen, wo man übermäßig transpiriert.

Lavendel (Lavandula angustifolia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Kraut bei Hühneraugen

Die Felsen-Fetthenne hilft aufweichen

Der Küchenhof unseres Klosters in Geras ist ein Ort des Rückzugs und der Ruhe. Umgeben von den Gängen, die einst als offene Arkaden das Geviert umrahmten und seit dem 18. Jahrhundert vermauert und mit Fenstern versehen wurden, verweilen dort gerne auch die Gruppen der Touristen, die durch unsere alte Abtei geführt werden. Es sind nicht nur Rosen und Lavendel, die entlang der gepflasterten Wege des geschützten Innenbereichs gepflanzt sind. In den Bereichen der Drainagen, die wiederum mit Kieselsteinen gefüllt sind, sitzt ein ganz besonderes Gewächs. Es ist die Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre), die eben auch zwischen Geröll und Steinen ihr Auslangen zu finden vermag. In der Familie der Dickblattgewächse gibt es eine eigene Artengruppe mit Namen Sedum. Am bekanntesten unter ihnen ist wohl der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre), ein naher Verwandter der Felsen-Fetthenne. Für gewöhnlich siedeln sich diese Pflanzen in felsigen Hängen des Gebirges oder entlang von Flusstälern an, wie dies u.a. für das Waldviertel für Kamp und Thaya charakteristisch ist. Doch findet man die äußerst hitze- und trockenbeständigen Gewächse genauso an Ruinen und sogar am Rande von geschotterten und gekiesten Wegen. Warum die Tripmadam, wie die Felsen-Fetthenne auch gerne landläufig benannt wird, gerade bei uns in der Nähe der klösterlichen Küche gesetzt wurde, kann ich mir nur so erklären, dass man in früheren Zeiten die Blätter des Sukkulenten dazu verwendete, um kalte Speisen und Salate zu würzen. Man kann in den Wuchsteilen des Krautes und da vor allem in den Blättern einen Anteil an Vitamin C entdecken. Gerbstoffe und Flavonoide sind ebenso dort zu finden. In ganz bescheidenen Mengen ist es sicherlich auch heute noch möglich, dieses eher selten zu findende Kraut zu verwenden. Doch möchte ich dazu raten, die Felsen-Fetthenne äußerlich zu gebrauchen. Ein Thema dafür sind Hühneraugen.

Aufweichende Wirkung

Bei Hühneraugen an den Zehen kann man in folgender Weise vorgehen, um diese aufzuweichen: von den Blättern der Felsen-Fetthenne zieht man die äußere Schicht in Form von winzigen Lappen ab und legt sie auf das Hühnerauge auf. Die Haut rund um die verhornte Druckstelle reibt man zuvor mit Schweineschmalz ein. Man kann auch eine Mullbinde darüber geben.

Tripmadam oder Fetthenne (Sedum rupestre) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bei den Füßen beginnen

Birkenrinde für ein Bad

Der Schatten der Bäume gewinnt immer mehr an Wert. Überhaupt ist es angesichts dramatischer klimatischer Veränderungen wichtig, dass gerade auch städtische und dörfliche Wohnbereiche mit genügend Grünzonen versehen werden, wo eben so mancher Hitzestau abgefedert werden kann. Aber Bäume sind mehr als nur Schattenspender oder Holzlieferanten. Sie zählen zu den großen Heilkräutern, die ebenso ihre Wirkstoffe besitzen und somit gerade den Menschen helfend zur Seite stehen, wenn sie ihr Wohlbefinden stärken möchten. Die Birke (Betula) ist wohl eine Art, die kaum aus unserer Heimat wegzudenken ist. Egal ob in Bergwäldern als auch entlang der Straßen des milden Flachlandes: überall ist sie anzutreffen. Gerade dann, wenn der Wind ein wenig durch ihre Krone fährt, dann rauscht es angenehm aus dem sich bewegenden Blattwerk. Und das kommt gleichsam einer akustischen Erfrischung gleich. Doch gibt es auch noch eine andere Möglichkeit, die Birke für die sommerliche Zeit zu nutzen. Unser Augenmerk soll dabei auf den Zweigen liegen, die sich ab einer gewissen Länge ohnehin zu uns herabbiegen. An ihnen die schützende Rinde, die in sich Gerbstoffe birgt. An unserer Haut befinden sich eine hohe Anzahl an Schweißdrüsen, die gerade bei hohen Temperaturen äußerst aktiv sind, um zur Kühlung des Organismus ihren Beitrag zu liefern. Das fühlt sich dann meist nicht unbedingt angenehm an, vor allem nicht an den Füßen, die uns durch den ganzen Tag tragen müssen. Mit dem heutigen Tipp möchte ich daher auf die unterste Etage des Körpers blicken, wo die Wirkkraft der Birke gewinnbringend landen soll. Übrigens erweist es sich als sinnvoll, den Tag damit zu beginnen, sich etwas Gutes zu tun. Vielleicht ist der anschließende Vorschlag ja eine konkrete Möglichkeit, dies auch wirklich umzusetzen.

Fußbad zur Schweißregulierung

Von fingerdicken Ästen der Birke schält man die Rinde und zerkleinert sie. 75 g davon reichen, um sie in 1 Liter kaltem Wasser über Nacht anzusetzen. Am Morgen nach dem Aufstehen aufkochen und einem angerichteten Fußbad beigeben. Dann 10 Minuten die Füße darin baden. Gut abtrocknen. Das hilft mit, um eine übermäßige Schweißproduktion zu regulieren und ist eine gute Möglichkeit, das gesamte Wohlbefinden zu steigern.

Birkenzweige mit Blättern und Blüten (Betula pendula) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wider den Krampf

Auf die Anserine nicht vergessen

So oft ich mit Interessierten eine Kräuterwanderung unternehmen darf, bin ich je neu herausgefordert, nicht nur die Gruppe vorne anzuführen, sondern auch mit den Augen den anderen einen Schritt voraus zu sein. Denn immerhin möchte ich ja auf die einzelnen Pflanzen einen Hinweis geben und sie der Gruppe vorstellen. Das ist oft gar nicht so einfach, wie manche glauben. Immerhin kann es passieren, dass man ein spezielles botanisches Individuum dabei übersieht. Das Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) ist sicherlich nicht so auffällig, dass man es gleich von Weitem erkennen könnte. Vielmehr breitet es sich auf Wiesen und Wegrändern so aus, dass es allein schon farblich mit seiner pflanzlichen Umgebung verschmilzt. Die schönen gelben Blüten des zur Familie der Rosengewächse zählenden Krautes sind auch eher klein und zeigen sich nur vorübergehend. Zu den Wirksubstanzen zählen Gerb-, Bitter- und Schleimstoffe sowie auch Flavonoide und andere gesundheitsfördernde Substanzen. Nun gilt es aber Gott sei Dank nicht, die Droge der Anserine (wie das Gänsefingerkraut landläufig gerne bezeichnet wird) ganz neu zu analysieren und somit zu entdecken. Wir dürfen ruhig denen Vertrauen schenken, die vor uns wertvolle Erfahrungen im Zusammenhang mit diesem Wiesengewächs gemacht haben. Dort dürfen wir einen Vorteil erkennen, der gerade im Sommer genutzt werden kann. Denn da ist es üblich, die Gelenke im Zusammenhang mit Sport und Freizeit mehr zu bewegen als in den kalten Monaten. Schwimmen und Wandern, Radfahren und Joggen stehen nun hoch im Kurs. Doch kann es dann auch leicht passieren, dass die Muskeln sehr beansprucht werden und sich dann ein äußerst unangenehmer Krampf einstellen kann, der infolge die Sehnen in Mitleidenschaft zieht. Mit der Anserine kann hier etwas Abhilfe geschaffen werden.

Entspannender Tee

Von getrocknetem und zerkleinertem blühenden Kraut der Anserine nimmt man 2 Teelöffel voll. 1/4 Liter kochendes Wasser darübergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen. Bei Krampfanfällen im Zuge sportlicher Aktivitäten oder auch bei nächtlichen Wadenkrämpfen trinkt man 3 Wochen lang jeweils früh und abends 1 Tasse dieses Aufgusses, um ein Abklingen der Beschwerden zu unterstützen.

Gänsefingerkraut oder Anserine (Potentilla anserina) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Spezielles Bad

Mit Ringelblume und Honig

Es gibt viele Ziele der Sehnsucht. Vielleicht sind es Reichtum, Frieden, Sicherheit, Freiheit, Harmonie oder bei heranwachsenden Menschen das Erwachsen-Werden. Bei vielen steht wohl der Wunsch im Vordergrund, seine eigene Jugend und die damit verbundene Vitalität nicht zu verlieren. Doch es gehört nun einmal zum Leben dazu, dass sich eigentlich alles ständig verändert. Ein Verharren auf demselben physischen Status gibt es schlicht und einfach nicht. Und dennoch erneuert sich vieles, was uns letztendlich hoffen und aufatmen lässt. Mit der Ringelblume (Calendula officinalis) möchte ich mich ansatzweise dieser Erkenntnis ein wenig nähern. Viele Bauerngärten waren schon seit Generationen mit diesem Heilkraut bestückt, da sie mit ihren prächtigen orangegelben Blüten eine wahre Pracht darstellen. Doch ist dies gleichzeitig ein Verweis auf ihre vorteilhafte Wirkkraft, die in diesen Pflanzen steckt. Vor allem die Kronblätter der Blüten enthalten ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Glykoside, Saponine und Carotinoide, die der Körper gerne als Unterstützung entgegennimmt, wenn man die Ringelblume verwendet. Was wenige wissen oder annehmen würden, ist die Tatsache, dass u. a. auch die Tätigkeit der Leber davon profitieren kann. Aber heute geht es uns ja darum, dass wir einen Erneuerungsprozess unterstützen wollen. Dabei können wir über die Haut auf den ganzen Organismus gewinnbringend einwirken. Die Zutaten dafür bestehen bloß aus den Blütenblättern der Ringelblume und dem von den Bienen gesammelten Honig. In dieser Insektennahrung stecken zudem viele wertvolle Inhalte, die dem menschlichen Leib gut tun können. Mit den Gaben des Schöpfers wird uns zwar nicht die ewige Jugend zugesagt, aber dennoch eine Hilfe in die Hand gegeben, die den steten Erneuerungsprozess mit Sicherheit gut unterstützt.

Badezusatz mit Ringelblume und Honig

100 g Ringelblumenblüten (frisch oder getrocknet) werden in 2 Liter heißem Wasser 1/2 Stunde lang angesetzt und dann kurz aufgekocht. Danach abseihen und ins warme Badewasser leeren, das jedoch nicht mehr als 35° C haben soll. Zusätzlich gibt man auch noch 5 Esslöffel voll qualitätsvollen Honig in das Wasser, der sich darin gut auflöst. 30 Minuten darin baden. Dieses Bad ist von starker reinigender Kraft und unterstützt die Gewebeneubildung auf der Haut und darunter.

Ringelblumenzweig mit Einzelblüte und Knospe (Calendula officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Bienen auf Honigwabe ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Erfrischung mit Kräutern

Auch mit dem Gelben Labkraut

Das Leben ist schön! So dürfen wir es wohl sicher feststellen, weil die meisten von uns mehr als genug besitzen und auskosten dürfen, als in Wahrheit nötig ist. Dieser Satz soll aber ganz und gar nicht die Not, die es in der Welt und leider auch hierzulande gibt, überdecken. Gerade deswegen möchte ich ferner in dieser Kolumne immer wieder darauf hinweisen, dass es in der Natur Ressourcen und Kräfte der Lebensergänzung gibt, die keines hohen finanziellen Aufwandes bedürfen. Um diesen Reichtum nicht brach liegen zu lassen, darf ich heute einmal mehr das Gelbe Labkraut (Galium verum) vorstellen, das für mich persönlich einen sehr hohen Stellenwert unter den zahlreichen Heilgewächsen einnimmt. Diese Pflanze schmückt vor allem die Wiesen, die Ackerraine und die Wegränder, sofern es rund um agrarische Nutzflächen noch naturbelassene Zonen gibt. Botanisch zählt sie zur Familie der Rötegewächse. Die feinen goldgelben Blüten sind ohnehin sehr augenfällig und ihr Duft erinnert stark an den des Honigs. Zu den Inhalten zählen neben ätherischen Substanzen auch Flavonoide und organische Säuren. Immer wieder finden wir Zeugnisse aus vergangenen Jahrhunderten, die eine Verwendung des Labkrautes in verschiedenen gesundheitlichen Anliegen nahelegen. Generell dürfen wir davon ausgehen, dass die Tätigkeit vieler Drüsen und Organe von diesem Heilkraut profitieren, ebenso das gesamte Lymphsystem unseres Körpers. Aber Kräuter sind nicht nur da, um sie gleich einem Medikament dann einzusetzen, wenn bereits ein Krankheitszustand ausgebrochen ist. Genauso sollten wir als diejenigen, die das Leben genießen und im wahrsten Sinne des Wortes auskosten wollen, auf die interessanten Angebote der Natur zurückgreifen. Dies passiert vor allem dann, wenn die verschiedenen aufbereiteten Pflanzendrogen z. B. als Gewürz die Speisen ergänzen und deren Geschmack verbessern. Oder man macht sich einfach ein Getränk für zwischendurch.

Ein gutes Getränk

Von den getrockneten und abgerebelten Blüten des Gelben Labkrautes nimmt man 1 Esslöffel voll und rührt ihn in ein Glas voll Sauer- bzw. Buttermilch. Ca. 15 – 20 Minuten ziehen lassen und danach trinken. Das Labkraut verbessert so nicht nur den Geschmack, sondern hilft auf diesem Weg auch mit, dass die Wirkstoffe den Organismus in seiner Vitalität unterstützen. Genuss und Gesundheit können hier einander ganz gut ergänzen.

Gelbes oder Echtes Labkraut (Galium verum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für mehr Antriebskraft

Die Wegwarte verhilft zu mehr Schwung

Fragt man heutzutage einen jungen Menschen nach dem Begriff Müßiggang, wird es wohl häufig vorkommen, dass dieser mit den Achseln zuckt und die Frage stellt, was das denn bedeutet. Sicherlich kommt dieses Wort im üblichen Sprachgebrauch auf der Straße wohl kaum vor. Dennoch passt das Ausspannen, das Nichts-Tun und die Zeit einfach dahinstreichen zu lassen ganz gut zu Urlaub und Ferien. Die Muße kann aber nur vorübergehend passieren. Die Wegwarte (Cichorium intybus) ist eine Pflanze, die so richtig den Sommer anzeigt und damit auch das Leben von seiner leichteren und heiteren Seite. Und dennoch brauchen wir auch einen Ansporn, der von innen herauskommt, um alle anstehenden Herausforderungen bewältigen zu können, die auf die jeweilige Jahreszeit keine Rücksicht nehmen. Die Wegwarte ist ein Bitterstoffträger, der mithilft, die Körperzellen aktiv und vital zu halten. In der Regel wird von dem blau blühenden Korbblütler bloß die Wurzel verwendet. Es besitzen jedoch die Blüten und die Blätter dieser schönen Pflanze ebenfalls einen gesundheitsfördernden Wert. So ist es zwischen Juli und September ganz recht, die ganzen Blüten und die Blätter mit den oberen Stängelteilen zu sammeln und an einem zugigen und schattigen Ort zu trocknen. Ist dieser Vorgang beendet, dann bewahrt man die bereits ein wenig zerkleinerte Ware so auf, dass sie weder durch Feuchtigkeit noch durch zu viel an Licht Schaden nimmt. Die Wegwarte kann auf diese Weise zu einem guten Begleiter das ganze Jahr hindurch werden. Gerade dann, wenn man vermehrt eine geistige und physische Antriebskraft braucht, ist das von großem Nutzen.

Tee aus Blüten und Blättern

Von einem Gemisch der getrockneten und zerkleinerten Blüten und Blätter der Wegwarte nimmt man 1 Esslöffel voll und übergießt ihn mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 3-mal täglich 1 Schale voll davon trinken. Das fördert die Gesundheit des Magen-Darm-Traktes und kann dazu beitragen, sich wieder frischer und agiler zu fühlen. Das kann einem bei hohen Sommertemperaturen gut anstehen.

Wegwarte (Cichorium intybus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für einen empfindlichen Darm

Mit Lavendel und Majoran vorbeugen

Die Zukunft ist eine Dimension, die man unter verschiedenen Aspekten betrachten kann. Einerseits gibt es dabei viel Ungewisses, denn allzu schnell kann sich etwas ändern, mit dem man ganz und gar nicht gerechnet hat. Wer hätte sich z. B. noch vor ein paar Jahren ausmalen können, wie heiß die frühen Sommerwochen sein können? Und dann ist es das zu Planende. Manches lässt sich schon im Voraus absehen. Mit den beiden Kräutern Lavendel (Lavandula angustifolia) und Majoran (Origanum majorana) darf ich heute den Blick auf die je eigene körperliche Verfassung richten, die sich vor allem im Verdauungsbereich – sprich: Magen und Darm – manifestiert. Es ist wohl nichts Neues, wenn ich darauf hinweise, dass es hier oft große Unterschiede gibt. Die einen dürfen sich überhaupt nicht beklagen, weil sie beim Essen und Trinken keine Diät halten müssen und darüber hinaus auch die Nerven nicht quasi auf den Bauch reflektieren. Andere hingegen neigen ganz schnell zu einem nervösen Darm oder gar zu Entzündungen im Magen und dem anschließenden Verdauungskanal. In den beiden Lippenblütlern Lavendel und Majoran sind ätherische Öle enthalten, die gerade bei diesen Beschwerden eine Erleichterung bringen können. Bitter- und Gerbstoffe sind ebenfalls in diesen Kräutern vorhanden. Mit der Verwendung von Heilkräutern darf man also ruhig in die Zukunft blicken. Mit einem besseren Wort nennt man das schlicht und einfach vorbeugen. Um Magen und Darm zu stärken, sollte man also nicht warten, bis eine spürbare Schwächung eintritt, sondern es ist gewiss besser, schon im Vorhinein etwas zu unternehmen, damit es gar nicht erst soweit kommt. Kräuter wie Lavendel und Majoran sind ohnehin in diesen sommerlichen Tagen reich vorhanden. Für die kommende Zeit ist es klug, sich diese Kräuter getrocknet aufzubewahren.

Tee für Magen und Darm

Vom getrockneten und zerkleinerten blühenden Kraut des Lavendels und des Majorans, die man zu gleichen Teilen mischt, nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Am besten morgens nüchtern eine Tasse davon trinken und dann abends 1/2 Stunde vor der letzten Mahlzeit des Tages. Das stärkt den Magen und den Darm und hilft mit, lästigen Entzündungen in diesem Bereich vorzubeugen.

Lavendel-Blütenzweig (Lavandula angustifolia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Majoran-Zweiglein (Origanum majorana) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya