Gemütsschwankungen ausgleichen

Den Beifuß aufgießen

Der April, der April, der macht wohl was er will! So lautet ein althergebrachter Reim, der sich noch auf Zeiten bezog, da wir davon ausgehen konnten, dem Wetter eine normale Abfolge an Sonnen- und Regentagen zutrauen zu können. Und im gegenwärtigen Monat war bis vor kurzem das Wetter eben sehr oft wechselhaft. In meiner Heimat, dem nördlichen Waldviertel, würden wir uns freuen, wenn dem wirklich so wäre. Im Vergleich dazu ist das menschliche Gemüt hingegen von der Meteorologie weitgehend unabhängig. Und dennoch gibt es gerade dort einen Wechsel von Hochs und Tiefs. Daher möchte ich mich dem Beifuß (Artemisium vulgare) zuwenden. Dieser ist eine Pflanze, die sich als eine genügsame Partnerin erweist, wenn es um deren Standort geht. Sie bevölkert gerne sandige und schottrige Halden oder Brachen und ist auch auf mageren Böden an den Wegrändern lichter Wälder zu entdecken. Sie wird zudem als Wilder Wermut bezeichnet, da sie mit dem bekannten Bitterkraut aus dem Garten eng verwandt ist. Den Beifuß hat man seit alters her eher als Gewürzkraut verwendet. Seine Inhaltsstoffe werden vor allem vom Vorhandensein eines ätherischen Öls und einem hohen Anteil an Bitterstoffen bestimmt. Das macht fetthaltige Speisen leichter verdaulich, weil durch sie die Tätigkeit der Leber und der Gallendrüsen angekurbelt wird. Aber es gibt auch andere Effekte, die damit in Verbindung stehen. Das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit des Gehirns profitieren auf jeden Fall, wenn man bittere Substanzen zu sich nimmt. Und all das kann in weiterer Folge auch das Gemüt wach und ausgeglichen machen. Wenn also im übertragenen Sinne in der eigenen Seele „Aprilwetter“ vorherrscht, so darf man den Leib und den Geist durchaus mit dem Beifuß unterstützen. Niemand sollte sich jedoch vor dem bitteren Geschmack scheuen, der mit dem Trinken eines Beifuß-Tees einhergeht. Man kann dies durchaus als eine gute Übung ansehen, dem Gaumen etwas zuzumuten, um so den Zugang zu Heilsamem aus dem Schatz der Natur möglich zu machen.

Tee für Verdauung und Gemüt

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Beifußkrautes nimmt man bloß 1 gehäuften Teelöffel voll und übergießt ihn mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Danach 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Schluckweise trinken. Dabei ist zu beachten, dass man einen bitteren Tee niemals süßen sollte, sondern ihn immer pur konsumiert, um die Wirkung nicht abzuschwächen. Oft reicht schon eine Tasse von diesem Aufguss. An einem Tag jedoch nicht mehr als 3 Schalen trinken.

Beifuß mit Wurzel und Blütendetails (Artemisia vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





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