Bienenweide und Magenfreude

Das Bohnenkraut als Hilfe

Vieles kann man tagtäglich über Heilkräuter sagen. Meistens geht es den Interessierten in erster Linie um den Nutzen eines Gewächses. Dabei möchte ich den Blick auf die Pflanzen vorerst einmal weiten, bevor wir zu deren Verwendung schreiten. Im eigenen Garten kann man sehr wohl darauf achten, dass beim Bestücken der Beete sowohl der Mensch als auch z. B. die Bienen etwas davon haben. Als Würze werden u. a. die Blätter des Garten-Bohnenkrautes (Satureja hortensis) verwendet, die zu diesem Zweck vorher getrocknet werden. Auf ihre Blüten fliegen wiederum die honigsuchenden Immen, die sich vom Nektar Kraft und Gesundheit holen. In dieser Pflanze begegnen wir einmal mehr einer Art aus der Familie der Lippenblütler. Das Bohnenkraut besitzt einen krautigen und äußerst verzweigten Wuchs. Die kleinen Blüten sind rosa, lila oder weiß gefärbt und wachsen auf einer Scheinähre. Die Blütezeit beginnt bereits im Juli und kann bis in den Oktober hinein andauern. Ursprünglich dürfte diese Heilpflanze in den Landstrichen zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzem Meer wild vorgekommen sein. Durch seine Inhaltsstoffe stärkt das Bohnenkraut nicht nur die Verdauung, sondern auch das Atmungssystem und die Nerven. Dadurch ist diese natürliche Hilfe auf mehrere Weisen verwendbar. Gerade nach so manchem Sommerfest, bei dem man in gemütlicher Runde die Abende durchaus auch kulinarisch genießt, stellt sich hernach die Frage, welch ein Gewächs dem Magen und dem Darm einen guten Dienst erweisen könnte. Mit dem Bohnenkraut ist man in diesem Anliegen sicher an der richtigen Adresse.

Bohnenkraut für die Verdauung

Von den blühenden Triebspitzen des Bohnenkrautes schneidet man eine kleine Menge ab und zerkleinert sie. Davon nimmt man 2 Teelöffel und übergießt diese mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Anschließend 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Diesen Tee trinkt man schluckweise, solange er noch warm ist. Gerade bei Verstimmungen von Magen und Darm ist diese Anwendung zu empfehlen.

Bohnenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Farbstoff aus einer Pflanze

Dem Blutweiderich entnehmen

Mit vielen Signalen wird allerorten gelockt und geworben. Diesen Umstand hat sich seit alters her die Reklame zunutze gemacht, der wir auf Schritt und Tritt begegnen. Schließlich hat man sich das von Mutter Natur abgeschaut. Denken wir nur an das Gefieder unzähliger Vögel, das besonders bei der Balz zur Schau gestellt wird. Und nicht zuletzt winkt ein breites Spektrum an bunten Blüten nicht bloß den Insekten zu, sich bei den Gewächsen einzustellen. Momentan kann man aufgrund seiner intensiv purpur-violett prangenden Blütenkerzen den Blutweiderich (Lythrum salicaria) ganz leicht entdecken. In der Nähe von Gewässern und feuchten Gräben wird die oft hoch wachsende Heilpflanze angetroffen. Das Heilgewächs enthält wertvolle Inhaltsstoffe, die unserer Gesundheit zuträglich sind. Durch den hohen Anteil an Gerbstoffen verwendete man früher die Blüten sogar dafür, um z. B. Leder geschmeidig zu machen. Der Name dieser Uferpflanze rührt vor allem von den blutstillenden Eigenschaften der einzelnen Pflanzenteile her, deren sich unsere Vorfahren bereits vor Jahrhunderten in Ermangelung chemisch-pharmazeutischer Hilfsmittel bedienten. In der angewandten Naturheilkunde geht es insbesondere darum, unserem Körper in kleinen Mengen unterstützende Wirkstoffe zukommen zu lassen, die so die Gesundheit stabilisieren und festigen können. Mit den Blüten des Blutweiderichs kann man hinsichtlich einer bewusst natürlichen Lebensgestaltung zweierlei vereinen: man vermag im wahrsten Sinne der Wortes Farbe ins Leben zu bringen, die direkt mit guten gesundheitsfördernden Inhalten einer Wildpflanze in Verbindung stehen. So ist es durchaus möglich, die Phantasie walten zu lassen, wenn es gilt, auch das Auge beim Betrachten einer Speise zufriedenzustellen.

Blüten als Zusatz

Um am Esstisch manches adrett erscheinen zu lassen, steht zum Experimentieren ein Kraut zur Verfügung. Bereitet man u. a. Marmeladen und Kompotte aus den Früchten des Sommers zu, können in diesen Prozess ebenfalls frisch abgezupfte Blüten des Blutweiderichs eingebracht werden. Somit erfährt auch das körpereigene Immunsystem eine Unterstützung, wenn man gleichzeitig mit dem Konsum der erwähnten Köstlichkeiten den Organismus mit den Wirkstoffen des Blutweiderichs versorgt.

Blutweiderich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Griffbereit zum Ernten

Die Blütenblätter der Sonnenblumen

Feld um Feld verschwindet nun förmlich unter den Mähdreschern und untrüglich kündet die Getreideernte, dass der Hochsommer Einzug gehalten hat. Irgendwo erfüllt das gar nicht so wenige mit Wehmut, hat man sich doch erst an das Grün der Vegetation gewöhnt und letztendlich sollte die Zeit gerade in den Ferien nicht gar so rasch dahineilen. Trotzdem gibt es auch Versöhnliches. Wie schön ist es nämlich anzusehen, wenn sich vor den Augen die Sonnenblumen (Helianthus annuus) in Reih und Glied am Acker ausbreiten. Diese Pflanze findet sich ja oft zwischen den goldgelben Getreideäckern und sorgt dadurch für eine willkommene Abwechslung. Wenn auch die Landwirte, die diese Sonderkultur ziehen und ernten, den Ertrag aus den schalentragenden Körnern des Korbblütlers abschöpfen, so sind doch ebenso die Schönheit und die Erhabenheit dieses zierenden Gewächses von hohem Wert. Das wissen jene, die mit den Sonnenblumen lediglich kleine Flächen zwischen den Gemüsebeeten oder im Vorgarten bestücken. Wir dürfen uns eines Nutzens bedienen, der oft ganz übersehen wird. Denn solange die Sonnenblumen am Blühen sind, stehen uns die kranzförmig angeordneten Blütenblätter zur Verfügung. Ihre schmückende Eigenschaft ist nicht der einzige Vorteil dabei. Sie tun nämlich unserem Organismus wohl, wenn man sie dementsprechend aufbereitet und einsetzt. Jetzt noch kann die frische Ware zu diesem Zweck gute Dienste erweisen. Für später sollte man sich aber eine Reserve anlegen. Dies geschieht ganz einfach, indem man die goldgelbe Pracht behutsam abzupft und gründlich im Schatten trocknet. Danach bewahrt man am besten die getrocknete Ware vor Licht und Feuchtigkeit geschützt auf.

Blütenblätter aufbrühen

Die ganz entfalteten Blütenblätter kann man frisch von den Sonnenblumen ernten und damit im Heißaufguss einen Tee zubereiten. Dieser erweist sich für die oberen Atemwege als entzündungsmindernd. Darüber hinaus kann man den Tee auch bei Blähungen oder bei Durchfall trinken. Die getrockneten Blütenblätter der Sonnenblume wiederum kann man zu einem Pulver zerreiben und ebenfalls bei den letztgenannten Beschwerden in kleinen Mengen zu sich nehmen und etwas Wasser nachtrinken.

Sonnenblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Verdauung unterstützen

Der Rotklee hilft dabei

Das Gleichgewicht der Natur kann sehr leicht ins Schwanken geraten. Das wissen wir leider nur allzu gut. Oft übersehen wir, dass es gerade die kleinen und meist unscheinbaren Lebewesen sind, die heute verstärkt unsere Aufmerksamkeit benötigen. Dazu zählen u. a. die Schmetterlinge, deren Artenfülle ein Indiz für eine gesunde Umwelt ist. Die fliegenden Schönheiten korrespondieren ganz eng mit der Pflanzenwelt. Auf den Rotklee (Trifolium pratense) hat sich z. B. der Waldbläuling spezialisiert, der daher ebenso als Rotklee-Bläuling bezeichnet wird. Warum sollten wir also die Schmetterlinge nicht als Wegweiser verwenden, wenn wir auf der Suche sind, die Gesundheit unseres Leibes zu fördern? Im Rotklee finden wir eine Reihe an Wirkkräften, die dem menschlichen Wohlbefinden zugute kommen. Dabei handelt es sich nicht nur um den unterstützenden Effekt, den der Schmetterlingsblütler den Frauen während ihrer Menstruation oder in den Wechseljahren und den manchmal damit verbundenen Beschwerden bieten kann. Viel weniger ist z. B. bekannt, dass der Rotklee ebenso die Funktion der Leber und der Galle anzukurbeln und zu stärken vermag. Wer einen Garten zur Verfügung hat, ist gut beraten, manche freie Fläche dafür zu nutzen, um darauf den Rotklee auszusäen und somit seine Blüten vor Ort zu haben. Diese sammelt man vor allem dann, wenn sie sich im Stadium des Aufblühens befinden und trocknet sie, nachdem man die Stängel entfernt hat. Bei Husten etwa kann man später damit einen Tee aufbrühen, der den Bronchien beisteht. Doch auch der Darm kann vom Rotklee einen heilsamen Profit abschöpfen.

Tee bei Verstopfung

Jene, die sich über eine längere Zeit damit schwer tun, den Stuhl aufgrund einer Verstopfung im geregelten Rhythmus abzuführen, dürfen es probieren, mithilfe des Rotklees die Lage zum Besseren zu wenden. 2 Teelöffel voller getrockneter Blüten des Rotklees mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. In der Früh und am Abend eine Schale voll davon trinken. Das fördert die Darmtätigkeit.

Rotklee ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Auflagen für die Haut

Das Seifenkraut aufgießen

Die Verwendung von Waschmitteln und Shampoos ist uns heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Im Seifenkraut (Saponaria officinalis) begegnet uns eine reinigende Hilfe aus dem Reich der natürlichen Heilpflanzen. Das Mitglied der Familie der Nelkengewächse findet sich an Zäunen, Flussufern, auf Schutt und selbst unter Gebüschen. Vielfach wird es auch gerne in Gärten angebaut, da es ein recht pflegeleichtes und schmuckes Gewächs ist. Aufgrund des hohen Schleimstoffgehaltes, der sich in allen Pflanzenteilen des Seifenkrautes befindet, wurde es früher gerne herangezogen, um bei Beeinträchtigung der Atemwege sowie des Darmes eine Besserung herbeizuführen. Sowohl der deutsche als auch der wissenschaftliche Name des duftenden Sommerboten weisen schon darauf hin, dass man in Zeiten vor der Existenz synthetischer Substanzen durchaus auf die Wurzel des Seifenkrautes zurückgriff, um damit verschmutzte Stoffe sauber zu bekommen. An dieser Tatsache hat sich ohnehin bis heute nichts geändert, vor allem dann, wenn es sich um das Reinigen sehr heikler Materialien handelt. Apropos Waschen: Die Haut unseres Körpers ist wohl diejenige, die am öftesten in den Genuss einer gründlichen Dusche oder eines wohltuenden Bades kommt. Dennoch kann es leider auftreten, dass sich aus verschiedensten Gründen entzündete Stellen an der Haut bilden, die nicht so schnell abheilen. Gerade dann darf man sich des Seifenkrautes erinnern. Am besten verwendet man es rein äußerlich.

Umschläge mit Seifenkraut-Tee

Einen Teelöffel voll des zerkleinerten Krautes oder der Wurzel von Seifenkraut setzt man über Nacht in 1/4 Liter kaltem Wasser an. Am Morgen darauf bis knapp vor das Kochen erhitzen. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Mithilfe dieses Tees kann man bei hartnäckigen Entzündungen der Haut alle 5 Stunden einen warmen Umschlag auf die betroffene Stelle legen. So lange durchführen, bis sich eine merkbare Abheilung einstellt.

Seifenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Kraut zum Drüberstreuen

Der Steinklee als Zutat

Die Farben der Kleidermode ändern sich stetig. Die Vorgaben machen es einem oft schwer, dem Trend Folge zu leisten. Das geht anscheinend nur bei jenen, die auch die nötigen finanziellen Mittel für ihre Garderobe zur Verfügung haben. In der Natur wechselt ebenso das Farbenspiel der Blüten, die am Straßenrand stehen. In dem bunten Allerlei, das auf den kargen sonnenbeschienenen Böschungen steht, lässt sich bei genauerem Hinsehen da und dort der Gelbe Steinklee (Melilotus officinalis) ausmachen. In seiner augenfällig schlanken Gestalt kann er fast mannshoch wachsen. Seltener kommt bei uns die verwandte Art des Hohen Steinklees (Melilotus altissimus) vor, der auch auf feuchteren Standorten wächst. Macht man einen Blick in die lange Geschichte der Heilkräuterkunde, fällt auf, dass schon Dioskurides den Steinklee beschreibt. Dieser kennt sowohl seine äußerliche Anwendung als erweichendes Kraut bei Geschwüren und Ausschlägen, als auch seine innerliche Verwendung bei Magenschmerzen. Wird der Steinklee getrocknet, entweicht dabei der Hauptwirkstoff Cumarin, der blutverdünnend wirkt und für den charakteristischen Geruch dieser Pflanze verantwortlich ist. Dadurch eignet sich z. B. diese Droge auch als wirkungsvolle Ungezieferabwehr in unseren Wäscheschränken. Für das Wohl des Leibes gibt es überdies eine Anzahl an Produkten, die in Apotheken zu erwerben sind. Sie helfen unter anderem bei Venenleiden, Krampfadern sowie bei Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen. Jetzt, wo man vielleicht auch zu Hause die Freuden des Sommers auskosten möchte, steht der Steinklee dafür ebenfalls zur Verfügung.

Ergänzender Geschmack

Noch ist es möglich, die Blüten des Steinklees zu sammeln. Werden diese im Schatten gut getrocknet, eignen sie sich dazu, dass man sie in geringen Mengen unter einen Streichkäse oder in die Sauermilch mischt und so dem Sommer einen eigenen Geschmack beifügt, dabei das Wertvolle des Steinklees dem Organismus zugänglich macht. Mit etwas Phantasie kann man zusätzliche andere Varianten ausprobieren.

Gelber Steinklee ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für trockene Haut

Den Sonnenhut aufbereiten

Sommer, Sonne, Sonnenschein dürfen wir nun in Hülle und Fülle auskosten. Da kann eine vorübergehende Regenfront auch nichts dran ändern. Das Nass vom Himmel hat ja durchaus eine segensreiche Komponente, solange es nicht zerstörerisch dahinflutet. Apropos Feuchtigkeit: die Haut, auf der die Sonnenstrahlen landen, läuft auch Gefahr, auszutrocknen. Daher sollte man dagegen etwas unternehmen. Der Schmalblättrige Sonnenhut (Echinacea angustifolia) bietet ein Anschauungsmaterial für das, was ich konkret damit meine. In Folge der Entdeckung Amerikas gelangte er einst nach Europa, wo er als beliebter Zierexote die Augen der Staunenden auf sich zog. Mit der Zeit aber kamen unsere Vorfahren drauf, dass durchaus viel Heilkraft in der rosa blühenden Pflanze enthalten ist. Gerne hat man den Sonnenhut angebaut und eingesetzt, weil er eben zu den genügsamen Gewächsen zählt, die nahezu mit jedem Boden vorlieb nimmt, sofern dieser nur genügend Nährstoffe in sich birgt. Um die entzündungswidrige, blutreinigende und resistenzsteigernde Wirkung des Roten Sonnenhuts entgegennehmen zu können, darf man sowohl das Kraut als auch die Wurzel verwenden. Häufiger wird jedoch letztere aufbereitet. Dies ist gerade dann günstig, wenn sich die Blühphase des Sonnenhutes dem Ende zuneigt und somit mehr Kraft in den unterirdischen Gewächsteilen gespeichert werden kann. Die Haut ist überhaupt eine sehr gute Adresse, wenn es gilt, die heilsamen Kräfte der Echinacea in Empfang zu nehmen.

Ölauszug mit Sonnenhut

Die frische gereinigte und zerkleinerte Wurzel des Sonnenhutes wird in einem Mischverhältnis 1 : 4 mit kaltgepresstem Pflanzenöl eigener Wahl in ein weithalsiges verschließbares Glasgefäß gegeben und 14 Tage lang bei Zimmertemperatur in die Sonne gestellt. Währenddessen täglich den Ansatz gut durchschütteln. Danach abseihen und extra abfüllen. Das verbliebene Öl, das den Rückstand umgibt, kann man ebenfalls aufbrauchen. Als Einreibung angewendet, schützt es die Haut vor dem Austrocknen, bremst spürbar eine voranschreitende Faltenbildung und steigert zudem die persönliche Immunkraft.

Roter oder Schmalblättriger Sonnenhut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Hilfe bei Zahnschmerzen

Die Stockrose heranziehen

Mit dem Besitz ist das so eine Sache. Gehört einem etwas, so muss man sich wohl oder übel darum kümmern. Das gilt für Geld, Haus und auch den Körper in gleichem Maße. Nun, man darf ruhig auch stolz und vielmehr noch dankbar sein, wenn man nichts vermissen muss. Aber da gibt es bekannter Weise auch eine andere Seite. Nehmen wir die Zähne als Beispiel. Solang man sie auf dem Kiefer sitzen hat, brauchen sie unsere Pflege und die fachkundige medizinische Unterstützung. Blumen haben diese Sorgen nicht. Die Stockrose (Alcea rosea), die wir in unzähligen Vor- und Bauerngärten antreffen, hat nun ihre hohe Saison. Seit jeher möchte man das Areal vor seinem eigenen Haus im Sommer ansehnlich erscheinen lassen. Das kann natürlich nicht besser als durch eine pflanzlich gestaltete Pracht geschehen, die gerade aus blühenden Stockrosen bestehen darf. Der Name dieses Ziergewächses ist an und für sich irreführend, zählt es doch in Wahrheit zur Familie der Malvengewächse. Ihre Verwandtschaft sind also u. a. Eibisch und Käsepappel. Vom Gärtchen aber wiederum zurück zur eigenen Mundhöhle. Ein durchdringender Schmerz kann einem im Handumdrehen den Tag ganz schön vermiesen. Solange die Zähne voll intakt sind, signalisieren die darunter liegenden Nerven sehr bald, dass etwas mit der Verfassung des Kauwerkzeuges nicht stimmt. So schwer der Schritt auch fällt, den Zahnarzt aufzusuchen, so erlösend können ein rechtzeitiges Diagnostizieren des schmerzenden Herdes und ein ehebaldiges Behandeln desselben sein. Gewiss gibt es weiters Zeiten der Überbrückung, in denen man die Leiden möglichst zu minimieren sucht. Dafür habe ich einen praktischen Tipp.

Stockrosenblüten-Spülwein

2 Teelöffel voller getrockneter und zerkleinerter Stockrosenblüten werden in 1/4 Liter Rotwein aufgekocht. 1/2 Stunde zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen und filtrieren. Bei Zahnschmerzen kann man damit zuerst die ganze Mundhöhle ausspülen und hernach die Flüssigkeit einige Minuten über der schmerzenden Stelle im Mund halten, bevor man sie dann wieder ausspuckt, ohne hinunterzuschlucken.

Stockrosenblüten und Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zweige mit Reinigungskraft

Auf den Wacholder zählen

In der Suche nach geeigneten Arbeitskräften ist neben dem persönlichen Engagement auch die nötige Kompetenz der neu Einzustellenden gefragt. Immerhin soll die Dienstleistung im wahrsten Sinne des Wortes Hand und Fuß haben, damit die Qualität des Gebotenen auch stimmt. Für unsere Physis benötigen wir ebenfalls geeignete Hilfskräfte, um diese von innen heraus zu reinigen. Um daher den Wacholder (Juniperus communis) zu finden, der uns dahingehend gute Dienste erweisen kann, brauchen wir nicht in die Ferne schweifen. Er gehört zur angestammten Flora des heimischen Hügellandes. Der Wacholder zählt zur großen Baumfamilie der Zypressengewächse und teilt sich somit seine botanische Verwandtschaft u.a. mit Lebensbäumen, Mammutbäumen und Sicheltannen aus fernen Ländern. In unserer Phantasie können wir ein paar Zweige vom heimischen Wacholder herunterschneiden und daraus einen Besen binden. Gewiss wird uns ob seines spitzen Nadelkleides recht bald die Lust daran vergehen. Aber dennoch ist der Gedanke nicht abwegig, den Kranewittbaum für einen Kehraus heranzuziehen. In einer anderen Weise kann er eine notwendige Aufgabe für uns verrichten und dafür sorgen, dass unser Blut wiederum sauberer wird. In allen pflanzlich unterstützten Anwendungen, die mit dem Wacholder oder dessen Früchten durchgeführt werden, soll man Bedacht darauf nehmen, dass dadurch die Nieren leicht gereizt werden könnten. Daher sollen gerade diese Organe möglichst gesund und intakt sein.

Ein Tee aus Zweigen

Fingerdicke frische Wacholdertriebe, die tunlichst von Exemplaren aus Gärten stammen sollen, werden ganz fein in Scheiben geschnitten und getrocknet. Davon nimmt man dann 1 gehäuften Teelöffel voll und stellt diesen in 1/4 Liter kaltem Wasser auf den Herd. Kurz aufwallen und anschließend 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und morgens gleich auf nüchternen Magen 3 Wochen lang trinken. Dies reinigt das Blut. Sollte dabei aber eine Unverträglichkeit spürbar werden, diese Kur wieder abbrechen.

Wacholderzweig mit Beeren ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Pflegemittel aus Blättern

Von der Wegwarte auspressen

Eine Heilpflanze besticht nicht nur durch ihre Schönheit, die sich z. B. in ihrer Blüte zeigt, sondern sie steckt auch voller Geheimnisse. Es braucht schon einiges an Zeit, die es wert ist, um die gesamte Verfasstheit eines wurzeltragenden Wesens zu erkunden. Manche suchen sich einen eher unwirtlichen Standort aus und sind gleichzeitig sehr heilsam für viele Zonen unseres Körpers. Ein gutes Exempel dafür liefert uns die Wegwarte (Cichorium intybus). Sie steht nun in voller Größe an den Straßenrändern und grüßt gleichsam die Vorbeifahrenden mit ihren blauen Blüten, die sie der prallen Sonne entgegenstreckt. Wir Menschen, deren Haut äußerst wertvoll ist und die wir mehr oder weniger gerne pflegen, müssen uns trotz vorhandener Schutzschicht unter einem Dach und innerhalb der eigenen vier Wände bergen, um dem wie auch immer gearteten Klima standhalten zu können. Das muss eine wildwachsende Pflanze nicht tun. Sie erneuert sich im Gegensatz zu uns Jahr für Jahr, wie eben im Falle der Wegwarte, und schöpft vor allem aus der im Erdboden verbliebenen Wurzel ihre Kraft. Unsere Hautzellen müssen sich auch gerade im Sommer immer wieder erneuern, um ihre abgrenzende und schützende Funktion gut durchführen zu können. Die Wegwarte enthält durch ihr Heranwachsen momentan viel Flüssigkeit in ihren Blättern, die ganz gut für eine Reinigung und Stabilisierung der Haut dienen kann. Dieser Pflanzensaft lässt sich durchaus frisch gebrauchen und zur Anwendung bringen.

Die Haut unterstützen

Bei Irritationen oder Unreinheiten der Haut nimmt man frische Blätter der Wegwarte, reinigt diese und faschiert sie im Anschluss, um sie besser auspressen zu können. Mit dem gewonnenen Saft betupft man unreine Stellen der Haut. Danach lässt man den Saft in die Haut einziehen, ohne die feuchten Stellen abzutrocknen. Mit ein wenig Geschick kann man auch darangehen, mithilfe des Zusatzes von Alkohol den Wegwartesaft haltbar zu machen. So kann man ihn das ganze Jahr über verwenden.

Wegwarte mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya