Ausgleichen und ableiten

Drei Kräuter zu Hilfe nehmen

Wahrscheinlich dauert es noch lange, bis wir das nächste meteorologische Gewitter erleben. Manchmal ist dies aber auch im Winter möglich, wenn z. B. unterschiedlich temperierte Luftmassen aufeinandertreffen. Blitz und Donner gehen dann damit einher. Unsere Gebäude haben wir gegen die zerstörerische Wirkung eines Blitzes insofern abgesichert, indem vom Dach bis zum Erdboden gelegte Ableiter installiert sind, die größeren Schaden abwenden sollen. Der Thymian, der Gelbe Steinklee und das Gelbe Labkraut sind imstande, eine ähnliche Funktion zu übernehmen. Damit meine ich aber keine wie auch immer geartete apotropäische Wirkung, die manche vielleicht den Kräutern in einem esoterischen Irrglauben zuschreiben mögen. Die Spannung, um die es hier geht, baut sich im eigenen Körper und im Gemüt auf und belastet uns auf verschiedene Weise. Es ist weder für einen selbst noch für die anderen einfach, mit dem persönlichen Charakter und der hinzukommenden täglichen Stimmungslage, die durchaus mit physischen Gegebenheiten korrespondieren kann, zurechtzukommen. Der Thymian hat heilende und stärkende Wirkungen auf die Atemwege und die Verdauung, der Gelbe Steinklee hilft u. a. mit, dass sich verkrampfte Zustände lösen und das Gelbe Labkraut erweist sich als aufbauend für das Lymphdrüsensystem unseres Körpers. Und allesamt besitzen sie ein sonniges und bescheidenes Wesen, was gerade im Hinblick auf die Naturheilkunde ebenfalls nicht von der Hand zu weisen ist. Wenn man also nach einer Entspannung, einer Ableitung vermehrter Spannungen und nach einem Ausgleich des Gemütes strebt, sollten die drei Kräuter nicht beiseite liegen gelassen werden. Vielleicht hat ohnehin der eine oder andere die aufbereiteten Drogen zuhause im Kräuterlager. Es spricht nichts dagegen, diese auch sinnvoll zu nutzen.

Entspannende Teemischung

Getrocknete und zerkleinerte Pflanzentriebe von Thymian, Gelbem Steinklee und Gelbem Labkraut werden zu gleichen Teilen abgemischt. Davon nimmt 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 1 Woche lang jeweils am Morgen und am Abend 1 Tasse davon trinken. Mit diesen 3 Heilpflanzen sollte man auch ein Kräuterkissen füllen und es beim Schlafen verwenden. Dieses kann auf Wunsch auch vom Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein/Th. bezogen werden (Tel. 02844/7070 – DW 11 od. 31; E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at).


Zweig vom Gelben Labkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Steinkleezweiglein ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Thymianzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Stubenvögel unterstützen

Was Hafer und Ysop bewirken können

Die Tatsache, dass freilebende Vögel mit dem Winter ganz gut zurechtkommen, bringt mich immer neu zum Staunen. Zwar besitzen sie ein schützendes Federkleid, aber dennoch schaffen sie es, ohne einer zusätzlichen Wärmequelle wie etwa einem Ofen dem Frost zu trotzen. Dankbar stellen sie sich jedoch an den Futterhäuschen ein, die ihnen ermöglichen, die nötige Energiezufuhr aufrecht zu erhalten. Zwei Heilpflanzen, die wir im Ysopkraut und im Hafer vorfinden, können wir sehr wohl zu unserem eigenen Vorteil nutzen. Darüber hinaus bieten sie aber auch dem gefiederten Volk eine Unterstützung, sofern sich dieses in artgerechter häuslicher Haltung befindet. Obwohl sie von ihren Besitzern hoffentlich gut umsorgt werden, stellt trotzdem hin und wieder eine unvorhersehbare Schwächung ein, die von mannigfaltigen Ursachen herrühren kann. Das merkt man gleich am Verhalten von Wellensittich, Kanarienvogel und Co., dass irgendetwas nicht stimmt. Für gewöhnlich sitzen sie dann für längere Zeit aufgeplustert da und geben sich gleichzeitig teilnahmslos. Im Ysop steckt viel gespeicherte Sonnenenergie, die man mittels einer Aufbereitung abrufen kann. Das wusste man bereits in der Antike, in der schon die Griechen dieses Gewächs als wirkkräftiges Heilmittel bei Husten und Magenverstimmungen priesen. Der Hafer wiederum enthält in seinen Samenkörnern viel Stärke, Eiweiß und Mineralien. Selbst an Vitaminen sind sie sehr reich. So ist es gut, diese in entspelzter Form unters Futter zu mischen, wenn man meint, den anvertrauten Sängern eine Aufbesserung der Nahrung zuteil werden lassen zu sollen. Und eben zusätzlich mit dem Ysop sollte es im Käfig gesundheitlich wiederum bergauf gehen.

Tee als Tränke

Getrocknetes und zerkleinertes Ysopkraut wird in einer Menge von 1 gestrichenen Teelöffeln mit 1/8 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen, danach abseihen. Bei Fressunlust von einem Stubenvogel wie etwa einem Wellensittich reicht man diesen Aufguss, eventuell mit etwas Wasser verdünnt, als Tränke im Käfig bzw. in der Voliere. Das fördert die Wiederherstellung der Ausgeglichenheit im Verdauungstrakt der Vögel.


Ysop ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Frühling auf dem Kopf

Das Wohlriechende Veilchen für unser Haupt

Noch ist es ein wenig zu zeitig, um sich schon mit dem erhofften Frühling zu befassen. Dennoch ist es niemandem verboten, davon zu träumen und den einen oder anderen Plan auszuhecken, wie man sich z. B. im Garten gestalterisch verwirklichen könnte. Und manchmal hat man überhaupt keine Lust, in irgendeiner Weise zu sinnieren, weil einem einfach nicht danach ist. Das Wohlriechende Veilchen (Viola odorata), das auch Duftveilchen genannt wird, befindet sich momentan in unterirdischer Winterruhe und frönt bildlich gesprochen seinem wohlverdienten Schlaf. Wer weiß, wie lange es noch dauern wird, dass seine Mußezeit vorüber ist, weil die wärmende Sonne seine Blätter und dann seine Blüten aus dem Boden zu locken beginnt. Dieser Frühlingsbote stellt allein schon für die Augen eine Freude dar, sobald man die ersten Exemplare davon erblickt. Seit jeher steht das Veilchen aber auch in der Naturheilkunde hoch im Kurs, was uns bereits die überlieferten Dokumente der Botaniker und Ärzte des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit belegen. Seine heilsame Wirkung richtet sich vor allem an die Nerven und an die Haut. Aber es besitzt noch schmerzlindernde Kräfte, um die es sich heute im speziellen dreht. Ganz konkret geht es um Kopfschmerzen bzw. um ein erhitztes Haupt. Heuer vor 120 Jahren starb der berühmte Pfarrer Sebastian Kneipp. Von ihm gibt es einen Rat für eine praktische Anwendung mit den Veilchen, den ich heute weitergeben möchte.

Veilchen-Tee bei Kopfschmerzen

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Duftveilchen bereitet man sich einen Tee im Heißaufguss (2 Teelöffel voll mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen). Nach 15 Minuten abseihen und stehen lassen. Bei starken Kopfschmerzen zieht man den zimmerwarmen und bereits etwas abgestandenen Tee dieser Art heran, um damit den Hinterkopf abzuwaschen. Anschließend das Ganze einziehen lassen und daher länger im geheizten Zimmer verweilen. Hilft laut Kneipp auch bei großer Hitze im Kopf.


Veilchenstock ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wärme steigt auf

Die Füße natürlich umsorgen

Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten sind manchmal schwer zu durchblicken. Das zeigte sich in meiner Schulzeit durchaus auch an den Noten, die ich in diesem Gegenstand ernten durfte. Doch manches ist eigentlich ganz einfach zu beobachten und zu verstehen. Dazu zählt neben vielem, dass Wärme eine aufsteigende Tendenz besitzt. Heute geht es mir daher um die Füße, die uns tragen und unzählige Schritte für und mit uns bewältigen. Diese wesentlichen Körperteile müssen sich gerade im Winter stetigen Herausforderungen stellen, sobald das Außenterritorium von uns betreten wird. Dazu kommt noch so manch ungeheizte Räumlichkeit, deren Boden ein durchaus eisiges Ambiente aufzuweisen vermag. Die Feuchtigkeit tut dann das Ihre noch dazu. Jedenfalls können stets kalte Füße in der Folge unangenehme Erscheinungen hinter sich herziehen. Ganz leicht können sich dadurch manche Schleimhäute entzünden, ebenfalls die Harnröhre und die darüber liegende Blase. Alles in allem sicher kein Honiglecken für die davon Betroffenen. Und so ist es ratsam, eben gemäß der angesprochenen Physik, den Leib von unten her zu unterstützen und damit zu stabilisieren. Die Wärme, welche die Füße imstande sind nach oben weiterzugeben, ist sicher nicht durch ein wie auch immer geartetes Medikament zu ersetzen. Der überlieferte Schatz an Hausmitteln darf in diesem Anliegen erneut wieder einmal ausgeschöpft werden. Das ganze ist durchaus für viele zu praktizieren und umzusetzen.

Kalte Füße trimmen

Wer sehr oft und anhaltend unter kalten Füßen leidet, sollte sich die Zeit nehmen, um morgens und abends ein warmes Fußbad durchzuführen. Die Effektivität desselben wird gesteigert, wenn man dieses mit einem Apfelessig-Zusatz anreichert. Danach gut abtrocknen und mit einer verdünnten Arnikatinktur (im Handel erhältlich) nachreiben. Zusätzlich ist es ratsam, zum Abschluss des Fußbades noch 1 Tasse frisch aufgebrühten Thymiantees zu trinken.


Äpfel ⓒ wikimedia.commons





Einen besseren Ausblick erreichen

Die Augen mit Wermut in Kontakt bringen

Autofahrer kennen das Problem sehr gut. Sobald ihr Gefährt nicht den Vorteil eines garagenmäßigen Unterstandes genießt, spiegeln sich auf dessen Windschutzscheiben die aktuellen meteorologischen Gegebenheiten wider. Im Falle von Frost, Schnee oder gar gefrierendem Regen bleibt einem nichts anderes über als zu scheren und zu kratzen, um die der Verkehrssicherheit entsprechende Aussicht zu erlangen. Der Echte Wermut (Artemisia absinthium) kennt derartige Probleme nicht, da er sich im Herbst auf seine Wurzeln zurückzieht und erst wieder bei warmen Temperaturen in voller Größe zum Vorschein kommt. Dieses bekannte Heilkraut ist aufgrund seiner Bitterkeit durchaus geläufig. Genießer bringen es mit alkoholischen Aperitifs in Verbindung, was ja nahe liegt. Seine Wirkkraft kann auch auf andere Weise gehoben und angewendet werden. Auf der Haut hilft der Wermut mit, durch seine zusammenziehenden Eigenschaften eine Straffung und Stärkung herbeizuführen. Selbst der Kreislauf erfährt eine Unterstützung, sobald der Leib mit dem aufbereiteten Heilkraut in Berührung gebracht wird. Dies kann z. B. mittels einer Waschung an Füßen und Beinen erfolgen. Aber so wie etwa bei den oben erwähnten Windschutzscheiben brauchen ebenfalls die Augen eine freie und ungehinderte Sicht. Dort kann es zu Beeinträchtigungen derselben kommen. Eine Abhilfe in natürlicher Form kann dann leicht zur Verfügung gestellt werden.

Krusten lösen

In den Augenwinkeln kann es bei manchen durch eine vermehrte Talgabsonderung zu Verkrustungen kommen, die sich manchmal durch Scheuern unangenehm auswirken können. In diesem Fall kann ein Augenbad mithilfe des Wermuts eine Besserung herbeiführen. Dazu werden 2 Teelöffel des getrockneten Krautes mit 1/4 Liter kochendem Wasser aufgegossen. 15 Minuten ziehen lassen und hernach abseihen. Mit einer eigenen Vorrichtung, die u. a. auch in Apotheken erhältlich ist, kann man dann mit dem warmen Tee ein Augenbad durchführen.


Wermut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein bisschen Wärme tut gut

Mit der Zypresse in den Süden blicken

Wer meint, dass Väterchen Frost bereits an Altersschwäche zu leiden scheint, der hat sich mit dieser Annahme im heurigen Winter gehörig geirrt. Trotz aller Nachteile, die gegenwärtige Minustemperaturen mit sich bringen können, geht in der Natur draußen gleichzeitig ein reinigender und ausgleichender Prozess einher, den wir in den letzten Jahren schmerzlich missen mussten. Die Gedanken jedoch bleiben gottlob frei und niemand kann uns daran hindern, über sie in den Süden zu gleiten. In mediterranen Zonen werden die Wege sehr oft von Zypressen (Cupressus sempervirens) gesäumt, die in schlanken Säulen den kargen Fluren ein eigenes Gepräge verleihen. An und für sich strahlt dieser Baum eine Erhabenheit aus, die ihn kühn und ein wenig unnahbar auf den Betrachter wirken lässt. Und dennoch ist es ein liebenswertes pflanzliches Wesen, das in der Lage ist, sowohl der physischen als auch der psychischen Gesundheit etwas Hilfreiches anzubieten. In erster Linie ist es das ätherische Öl, das sich in den grünen Pflanzenteilen wie den Zweigen und den heranreifenden Nüssen birgt. Aus der Antike sind uns z. B. Berichte überliefert, denen zufolge die Damaligen den Wein mit kleinen Zypressenästchen zu würzen pflegten. Das hatte nicht nur auf das Aroma des mehr oder weniger edlen Tropfens eine Auswirkung. Darüber hinaus wurde aus den Zweigen ein balsamisches Harz gelöst, was sich wiederum heilend und stärkend auf die Atemwege auswirkte. Rheuma- und Gichtkranke können sich auch heute noch der Zypressen bedienen, die man dann folgendermaßen aufbereitet.

Ölauszug aus Zypressen

Dort, wo Zypressen gedeihen, kann man im Frühling einige junge Zweigspitzen ihrer Äste abschneiden und zerkleinern. In einem Verhältnis 1 : 4 setzt man die grüne Ware mit einem kaltgepressten Olivenöl oder einem anderen adäquaten Pflanzenöl an und lässt das Ganze 3 Wochen lang stehen. Danach abseihen und noch zusätzlich mit einem reinen ätherischen Zypressenöl aufbessern (1 bis 2% der vorhandenen Menge). Dieses Öl dunkel und kühl lagern. Es eignet sich gut als Massageöl bei Rheuma- und Gichtbeschwerden.


Zypresse ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zu spät für eine Impfung?

Holunderblüten bleiben aktuell

Wer weiß, ob noch eine weitere Grippewelle anrollt? Prognosen hierfür sind aus meiner Warte allein deswegen nicht erstellbar, da ich selbst noch damit beschäftigt bin, die hinter mir liegende Erkrankung dieser Art aufzuarbeiten. Jedes Jahr wird jedoch von Medizinern darauf hingewiesen, sich rechtzeitig einer vorbeugenden Grippeimpfung zu unterziehen. Ob dies jetzt noch geschehen soll, darüber gibt es geteilte Meinungen. In den Blüten des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) findet sich jedoch eine unterstützende Droge, deren Aktualität eigentlich durch die gesamte Winterzeit gleich hoch bleibt. Das angenehme Aroma, das selbst diesen getrockneten schirmartigen Pflanzenteilen entströmt, richtet an den Geruchssinn eine verheißungsvolle Botschaft, die letztendlich dem ganzen Organismus dient. Denn wenn wir einen Nachschub an einer Unterstützung benötigen, die es versteht, unserem Immunsystem gut unter die Arme zu greifen, so sind wir bei den Holunderblüten an der richtigen Adresse. Der Kreislauf, die Verdauung und das Gemüt erhalten durch die Holunderblüten eine dementsprechend gute Motivation, die allesamt durch einen regulierten Stoffwechsel etwas Wesentliches zum Wohle unserer Gesundheit beitragen. Und so gesehen, ist es auch jetzt sicher nicht zu spät, mit einer eingelagerten Kur in den eigenen vier Wänden zu beginnen. Denn gerade dann, wenn sich der Winter dem noch zu erwartenden Ende zuneigt, ist es vonnöten, sich erneut der Abwehr von durchaus zahlreichen Keimen und Viren zu stellen. Es wäre also unvernünftig, rein aus Bequemlichkeit auf eine Vorkehr zu verzichten, denn das könnte eine erneute Schwächung unserer Physis durch einen wie auch immer gearteten Infekt zur Folge haben.

Teekur im Winter

Gleich heute kann man beginnen, nach getrockneten Holunderblüten Ausschau zu halten und wenn nötig sich diese zu besorgen. Von der zerkleinerten Droge nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 1 Stunde vor dem Schlafengehen schluckweise trinken. Nach Belieben mit ganz wenig Honig süßen. Am besten 3 Wochen lang praktizieren.


Schwarzer Holunder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Heimische Früchte schätzen

Die Dörrpflaumen als wertvolle Hilfe

Noch ist die Frühjahrsmüdigkeit kein Thema, mit dem wir uns auseinanderzusetzen hätten. Gewiss liegt bei so manchem der Kreislauf am Boden, weil der Körper nun einmal nach einer auskurierten Grippe oder nach einer überstandenen Erkältung mehr Anlaufzeit als sonst benötigt, um wieder „normal“ in die Gänge zu kommen. Vorerst gilt es vielmehr, den Winter einigermaßen heil zu passieren. Die getrockneten Früchte wie etwa in der Form von gedörrten Zwetschken können hierbei einen guten Proviant für die Dauer der frost- und schneebehafteten Monate darstellen. Mehr als einmal habe ich bereits an dieser Stelle auf den für die Gesundheit gewinnträchtigen Konsum des Obstes jeglicher Art verwiesen. So soll die vielfach zu gering geschätzte Zwetschke erneut hervorgehoben werden, da immer noch ihre Saison läuft. Es ist ja nicht immer der ganze Leib, der einer von außen oder innen verursachten Trägheit verfällt. Im Besonderen kann der Darm davon befallen werden, je nachdem, wie man sich ernährt. Denn nicht alles, was dem Gaumen schmeichelt, tut uns im selben Maße auch wirklich gut. Vor allem dann, wenn es im Darm zur einer Verlangsamung des Verwertungs- bzw. des Ausscheidungsprozesses kommt, beginnen wir unter einer Verstopfung zu leiden, die sich letztendlich auch auf das Gemüt negativ auswirkt. Die Dörrzwetschke ist vergleichbar mit einem guten und einfühlsamen Animateur, der es versteht, sein Gegenüber zu motivieren und bei guter Laune zu halten. Der Konsum der gedörrten Pflaumen bringt genau diese Wirkung in den Darm ein und löst dort das ins Stocken Gekommene wiederum auf.

Die Verdauung unterstützen

All jene, die vermehrt unter Stuhlverstopfung leiden, sollen den Genuss der Dörrzwetschken pflegen. So kann man etwa eine Handvoll der Trockenfrüchte über Nacht in Wasser einweichen, am nächsten Morgen abseihen und zusätzlich durch ein Sieb treiben. Das Ergebnis mischt man mit etwas grober Weizenkleie zu einem Brei, den man dann zum Frühstück und gegebenenfalls auch tagsüber löffelweise zu sich nimmt. Das tut dem Magen und dem Darm äußerst gut.


Zwetschken ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





In den Spiegel schauen

Das Gesicht mit Johanniskraut trimmen

Der Morgen birgt die Stunde der Wahrheit. Das meinten schon unsere Altvorderen, die damit zum Ausdruck bringen wollten, dass so manche Übeltat, die in der Dunkelheit vollzogen wurde, bei Tageslicht festgestellt werden könne. Auf unser Äußeres angewandt, dürfen wir jedoch den ersten Gang ins Bad und somit vor den Spiegel damit in Verbindung bringen. Und das Johanniskraut (Hypericum perforatum) kann uns dabei helfen, so manche Tatsache, die wir im Zuge dessen über unsere Gesichtshaut ablesen müssen, besser annehmen und in Folge auch therapieren zu können. Denn in diesem Gewächs stecken neben seinen bekannten ausgleichenden Eigenschaften ebenso antiseptische und zusammenziehende Wirkungen. Letztere bewähren sich vor allem dann, wenn wir sie mit der Haut in Berührung bringen. Die hohen Erwartungen jedoch, die z. B. durch die mediale Werbung für kosmetische Produkte geweckt werden, führen nicht selten zu einer Illusion, wieder in den Zustand zurückkehren zu können, den man im frühen Erwachsenenalter besessen hat. Man braucht letztendlich nicht davor davonlaufen, wie man eben momentan beschaffen ist. Der Wert, den man als einzigartiger Mensch besitzt und der vor allem ein innerer ist, kann niemals durch eine noch so perfekt „restaurierte Fassade“ wettgemacht werden. Das Johanniskraut trägt gewissermaßen etwas dazu bei, damit wir uns in unserer eigenen Haut wohler fühlen. Jedoch bewahrt es uns davor, überheblich und eingebildet zu werden. Naturprodukte führen direkt oder indirekt zu einer verstärkten Natürlichkeit, sowohl bei unserem Aussehen als auch letztendlich bei unserem Charakter. Schätzen wir in dieser Weise also die Gottesgabe des Johanniskrautes.

Ein Tee zum Waschen

Dazu übergießt man eine Menge von 15 g Johanniskraut-Blüten mit 1 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten stehen lassen und dann abseihen. Nach dem Abkühlen des Absuds die Gesichtshaut sorgfältig damit waschen. So trägt man zur Straffung und gleichzeitig zur Reinigung des Angesichtes konkret etwas bei. Zudem wird die Bildung von unliebsamen Fältchen damit hinausgezögert. Mit der äußerlichen Anwendung des Johanniskrautes steigt jedoch auch die Lichtempfindlichkeit der Haut.


Johanniskraut mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Etwas Farbe hinzufügen

Klatschmohn-Blütenblätter bei Husten

Kaum ist der Christbaumschmuck abgeräumt und verstaut, geht es daran, der Ballsaison entsprechend unsere Augen in Richtung Fasching zu trimmen und unser Umfeld nach Möglichkeit und Belieben dahingehend zu dekorieren. Wenn auch das dafür geeignete Design durchaus schrill und provokant sein darf, so spielen doch nach wie vor Girlanden aus buntem Papier dabei eine wesentliche Rolle. In den Blütenblättern des Klatschmohns (Papaver rhoeas) fänden wir ebenso etwas Brauchbares für die närrische Zeit, würde deren Pracht nun die Hänge und Wiesen zieren. In der Kräuterkunde hat man schon seit Jahrhunderten diese Pflanzenteile als wirksam und nützlich erachtet und folglich auf verschiedene Weise aufbereitet und angewendet. Solange die frische Ware zu haben ist, stellt es kein Problem dar, sie sogleich zu verarbeiten. Für spätere Zeiten jedoch, in denen wir uns im offenkundigen Ruhen der Vegetation befinden, sind Klatschmohn-Blütenblätter wie auch andere pflanzliche Heildrogen getrocknet und vor Sonnenlicht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt worden. In der aktuellen gängigen Literatur wird da und dort eine tatsächliche Effektivität der roten Blütenblätter in Abrede gestellt. Nun, hierzu möchte ich sagen, dass man bei Verallgemeinerungen oft das Kind mit dem Bade ausschüttet. Mäßig verwendet, kann der eine oder andere dennoch positiv auf den Klatschmohn ansprechen und somit seine beruhigende wie auch seine schleim- und krampflösende Wirkung in Empfang nehmen. Dies bewährt sich vor allem bei Husten und Heiserkeit, die ohnehin mit so manchem grippalen Infekt einhergehen. Ein bisschen Farbe kann man ruhig in diese meteorologisch kalte Phase des Jahres einbringen.

Blütenblätter als Zusatz

Gießt man sich einen Tee aus verschiedenen Kräutern auf, um die Beschwerden einer Erkältung abzufangen, darf auch der Klatschmohn miteinbezogen werden. Seine getrockneten Blütenblätter können als Schmuckdroge in die Mischungen eingebracht werden. Von der Kräutermischung nimmt man insgesamt 2 Teelöffel voll, übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser und lässt den Heißaufguss 15 Minuten zugedeckt ziehen, ehe man ihn abseiht, mit etwas Honig süßt und dann schluckweise trinkt. In der Regel reicht die Menge von 3 Tassen pro Tag.


Klatschmohn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya