Der erste Schluck

Ein Morgentee als guter Einstieg in den Tag

Bald ist es wiederum so weit. Wir bekommen am nächsten Sonntag anscheinend eine Stunde geschenkt, da die Uhren wiederum auf die normale mitteleuropäische Zeit umgestellt werden. Nun, eigentlich erhalten wir jene Stunde ja nur rückerstattet, die uns bei Beginn der Sommerzeit genommen wurde. Egal, ob wir jetzt früher oder später aufstehen müssen: irgendwann ist es Zeit, aufzustehen. Einem Tee, der noch dazu eine Weile braucht, um trinkfertig zu sein, traut man wohl kaum zu, die Sinne auf den aktiven Modus zu stellen und gleichsam auf Vordermann zu bringen. Da steht bei vielen der traumwandlerische Gang zur Kaffeemaschine an dieser Stelle, um dem schwarzen Trank den Vorzug zu geben. Ohne diese Praxis verteufeln zu wollen, möchte ich jedoch heute eine Alternative aufzeigen, die ganz sicher auch andere gesundheitsfördernde Effekte mit sich bringt. Denn jetzt, da die Tage kürzer werden, kann es leicht passieren, dass sich eine Niedergeschlagenheit einstellt, die sowohl Antriebslosigkeit als auch physische Müdigkeit mit sich bringt. So kann es passieren, dass man schon müde aufwacht und lustlos an das anstehende Tagwerk herangeht. In einer solchen Phase sind sowohl viel Bewegung als auch frische Luft das Um und Auf. Am besten kombiniert man beides bei einem ausdauernden Spaziergang am Feierabend. Nicht zu unterschätzen ist überdies eine gesunde und möglichst fettarme Ernährung, die beim Verdauen dem Körper nicht allzu viel Kraft kostet. Und der vielgepriesene „erste Schluck“ muss ebenfalls nicht vom blonden schaumgekrönten Gerstengebräu stammen, schon gar nicht in der Früh. Da ist es bedeutend sinnvoller, die belebende Wirkung der Kräuter auszukosten.

Muntermacher in Teeform:

Aus drei getrockneten Kräutern stellt man sich am besten eine Mischung zusammen. Die besteht in unserem Fall aus 3 Teilen Salbei, 2 Teilen Rosmarin und 1 Teil Lavendelblüten. 2 Teelöffel davon werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Möglichst bald nach dem Aufstehen ungesüßt trinken, um vom Magen her den Organismus und das Gemüt in der Früh in Schwung zu bringen.


Salbeizweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Die Kraft aus dem Boden

Die saftvolle Wurzel der Großen Klette

Das laufende Kalenderjahr ist von der UNO mit einem besonderen Schwerpunkt bedacht worden. Das Augenmerk ist durch viele Aktionen und Veranstaltungen auf den Wert des Bodens und des Erdreiches zu unseren Füßen gelenkt worden. In diesem Zusammenhang durfte auch ich als Geistlicher und Naturliebhaber bei Vorträgen so manchen Gedanken formulieren und weitergeben. Mit der Großen Klette (Arctium lappa) haben wir es mit einem pflanzlichen Individuum zu tun, das uns ebenfalls weiterhelfen kann, den Erdboden dankbar im Blickwinkel zu behalten. Denn für mich sind gerade Kräuter, die wild und ohne menschliches Zutun am Wegrand wachsen, wahre Künstler, wenn es gilt mit oft sehr kargen und steinigen Verhältnissen zurechtzukommen. Die Klette aus der Pflanzenfamilie der Korbblütler ist so eine Repräsentantin. Gewiss breitet sie noch ihre großen Blätter aus, und ihre Samenstände werden mit ihrer haftenden Eigenschaft zum beliebten Spielzeug für spazierengehende Passanten. Doch je mehr der Herbst voranschreitet, desto mehr gewinnt wiederum die Wurzel der Klette an Bedeutung. Wenn diese nun durch Ausgraben, Abschneiden und Reinigen geerntet wird, dann kann man sie nach dem Trocknen zerkleinern und als s genannte Pflanzendroge auf mehrfache Weise verarbeiten und gewinnbringend einsetzen. Kaum jemand wird wohl an den Saft denken, den man ebenso aus der frischen Wurzel pressen kann. Dazu benötigt man einen Mörser, in den man Stückchen der gereinigten und in Teile zerschnittenen Wurzel zerstößt. Danach besprüht man die Wurzelmasse gut mit Wasser und lässt sie ca. 8 bis 10 Stunden lang ziehen. Zum Schluss den Saft durch ein Stück Leinen auspressen.

Tinktur aus Klettenwurzel:

Das geht ganz einfach. 3 Esslöffel Klettenwurzel-Saft werden mit 1 Teelöffel Honig und 6 Esslöffeln hochprozentigem Weingeist in ein Fläschchen gefüllt und 8 Tage an einem zimmerwarmen Platz stehen gelassen. Hernach kann man die fertige Tinktur bereits verwenden. Bei Magengeschwüren, Bronchialleiden, bei Steinleiden oder Fußgicht kann man 3-mal pro Tag 5 Tropfen der Tinktur zusammen mit einem Löffel voll Joghurt oder Sauermilch zu sich nehmen, um die Beschwerden zu mindern.


Klette mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Immer schneller und immer mehr

Ein Likör gegen Anspannung

Eine Pause, wie sie der heutige Sonntag bietet, ist unbedingt nötig. Damit liege ich aber nicht im Trend. Denn die Zeit, die damit anscheinend verloren geht, könnte man doch sicher finanziell gewinnbringend nutzen! Oder? Doch eine wissenschaftliche Studie nach der anderen belegt gerade in jüngster Zeit, dass sowohl die gegenwärtige Lebens- als auch die Arbeitsgestaltung durch die Schnelligkeit in der Fortbewegung und in der Kommunikation den Menschen permanent überfordern. Ein Likör namens „Frohes Gemüt“, der aus dem reichen Erfahrungsschatz der Kräuterpfarrer-Tradition in Karlstein an der Thaya seit langem angeboten wird, möge heute als „Bremsmittel“ bei einer gesundheitsschädigenden Schnelllebigkeit im Angebot zu finden sein. Obwohl dieser nach einem gut gehüteten Rezept zusammenkomponiert wird, dürfen alle eine Einsicht darauf haben, woher die beruhigende Wirkung dieses wohltuenden Schluckerls bezogen wird. In erster Linie handelt es sich um Kräuter- und Fruchtauszüge, die als Grundkomponenten des Likörs zur Verfügung stehen. Hopfen, Baldrian und Passionsblume sind ohnehin als beruhigende Kräuter bekannt. Als fruchtige Beigabe haben die wertvollen Äpfel und die vitaminreichen Clementinen darin ein Mitspracherecht. Alles in allem ergibt das mit anderen pflanzlichen Extrakten einen alkoholischen Ansatz, der sich ganz positiv auf unser Nervensystem und auf unser Gemüt auswirkt. Viele nehmen ja ihre Arbeit im geistigen Sinn mit nach Hause. Daher fällt es eben zunehmend schwerer, auch in der freien Zeit abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Eine dauernde Anspannung erhöht jedoch den Risikofaktor einer lebensbedrohlichen Erkrankung im Herz- und Gefäßbereich. Der Frucht- und Kräuterlikör will mithelfen, um wieder ausgeglichen zu werden und zum nötigen Schlaf zu finden, den alle von uns täglich zur physischen und psychischen Regeneration nötig haben.

Entspannungslikör „Frohes Gemüt“:

Dieser schmackhafte Likör mit einem alkoholischen Volumenanteil von 20% hilft mit, um am Feierabend nach einem stressigen Arbeitstag besser zur Ruhe zu kommen. Dadurch wird zusätzlich die Möglichkeit erhöht, leichter im Bett einschlafen zu können. So reicht abends ein Stamperl voll, um diese Wirkung zu erzielen. Bei Niedergeschlagenheit und leichten depressiven Verstimmungen wiederum belebt er, wie sein Name sagt, das Gemüt. Dabei kann man z. B. 6 Wochen lang 3-mal täglich einen Esslöffel des Likörs einnehmen. „Frohes Gemüt“ (500 ml € 16,90) ist über das Internet jederzeit anforderbar (www.kraeuterpfarrer.at bzw. bestellung@kraeuterpfarrer.at) oder ab Montag am Telefon (02844 /7070 -DW 11 od. 31) samt persönlicher Beratung.


Frohes Gemüt ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



In den Tee hineinschauen

Wenn er mit Fenchel angerichtet wird

Bildschirme sind wichtige Fenster zu Kommunikation und Information sowie bedeutende Hilfen zum Erledigen aller möglichen Arbeit. Displays werden öfter „gewischt“ als wir das wahrhaben wollen. Aber ohne sie geht faktisch nichts mehr. Und dennoch kann man diese elektronisch gesteuerten Flächen in einen Ruhemodus versetzen. Wenn ich heute ein wenig den Fenchel (Foeniculum vulgare) unter die Lupe nehme, so möchte ich gleichzeitig die Sehorgane – sprich: Augen – ebenfalls mit einer Aufmerksamkeit bedenken, die sonst für gewöhnlich unter den Tisch zu fallen droht. Denn wenn wir schon von dem reden, was wir täglich sehenderweise zu bewältigen haben, dann darf ruhig genauso von dem Arbeitsvolumen die Rede sein, das unsere Augen Tag für Tag bewältigen müssen. Im Fenchel treffen wir auf einen pflanzlichen Freund, der für gewöhnlich mit Verdauungsbeschwerden in Verbindung gebracht wird. Viele stillende Mütter haben Fenchelkörner griffbereit in ihrer Hausapotheke, um ihren Kleinen beistehen zu können, wenn deren Bauch gar arg zwickt. Dieses bekannte Gewürz hat aber auch Inhaltsstoffe, die den Augen einen Beistand bieten. Es kann ja leicht vorkommen, dass sich die Gegend rund um unsere Sichtfenster entzünden, weil wir uns in einem Luftzug aufgehalten haben. Andererseits kann es nach einer langen Autofahrt oder einem stundenlangen Arbeiten am Computer ebenfalls zu Überlastungserscheinungen kommen. Manchmal beginnen sich die Augen dann zu röten, vermehrter Tränenfluss setzt ein oder die Sehorgane fangen leicht zu schmerzen an. Dann ist’s Zeit, desgleichen den oben erwähnten Ruhemodus einzuschalten und höchstens im wahrsten Sinne des Wortes in einen Tee zu blicken, der mithilfe von Fenchelkörnern angerichtet wurde. Einen Teil sollte man aber dennoch trinken.

Wohltat für angestrengte Augen:

2 volle Esslöffel angequetschter Fenchelsamen werden mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Das richtet man sich am besten abends her. 1/4 Liter des Tees trinkt man ungesüßt und schluckweise. Die andere Hälfte verdünnt man mit 1/4 Liter abgekochtem Wasser und badet so warm man es verträgt die Augen darin, indem man gleichzeitig die Lider fleißig bewegt. Hernach gut abtrocknen und womöglich gleich ins Bett gehen, ohne sich noch etwas auf einem Bildschirm anzusehen oder zu lesen.


Fenchel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Zwischen Boden und Bauch

Der Gelbe Steinklee hilft die Beine pflegen

Menschen können ganz hervorragend miteinander kommunizieren. Mag ein Aufenthaltsort auf der Erde noch so weit vom Gesprächspartner entfernt sein, so stellen das Internet oder das Mobiltelefon im Handumdrehen nicht nur eine akustische, sondern auch eine visuelle Verbindung her. Ob Sprecher und Hörer auch wirklich die Worte des anderen ihrer Bedeutung nach verstehen ist damit noch nicht gesagt. In Österreich bedeutet für viele das Wort „Fuß“ die ganze Zone zwischen Becken und Fußsohle, worüber sich in Deutschland Geborene nur wundern können. Der Gelbe Steinklee (Melilotus officinalis) hingegen spricht eine ganz andere Sprache. Er heißt übrigens auch Honigklee, weil ihn die Bienen so mögen. Man findet ihn den Sommer über recht häufig an trockenen Standorten wie etwa an Wegrändern oder auf alten Mauern, auf Schutthalden und in Wiesen sowie auf wasserarmen Ackerböden. Vielen ist der Hülsenfrüchtler in seiner Funktion als „Insektenscheuche“ bekannt. Früher war es gang und gäbe, die getrockneten Triebe des Steinklees im Kleiderkasten aufzubewahren, um eindringende Schädlinge wie etwa Motten wiederum ihres Weges zu weisen. Der Duft des Steinklees ist auch für uns Menschen unverkennbar. Doch gehen wir erneut zurück zu den Beinen, also zu Ober- und Unterschenkel, die oft umgangssprachlich lediglich als die Füße bezeichnet werden. Diese bestehen nun einmal nicht nur aus Knochen, die man sich im schlechtesten Fall brechen kann. Muskeln, Sehnen und vor allem Blutgefäße ermöglichen erst ihren wertvollen Dienst für unsere Fortbewegung zu Fuß. Die Venen sind z. B. ein Ziel der Pflege, die man zusammen mit Steinklee durchführen kann.

Steinklee-Salbe anrühren:

Zuerst einmal braucht man ein gutes Schweineschmalz, am besten ein so genanntes Darmfett. 5 Esslöffel davon erhitzen und dann 5 Esslöffel getrocknete Blüten vom Gelben Steinklee dazugeben. Ca. 20 Minuten beständig umrühren, um dann die entstandene Masse durch einen Leinenstoff auszupressen. Abfüllen und sofort in den Kühlschrank stellen. Um den Venen eine Wohltat zukommen zu lassen oder geschwollene Beine zu behandeln, reibt man dieses Eigenprodukt auf der Beinhaut öfters ein. Die Salbe hält sich übrigens nur ein paar Tage.


Gelber Steinklee ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Ein starker Baum im Hintergrund

Die Tanne und ihr Harz

Damit die Wirtschaft boomt, müssen große Massen produziert und in weiterer Folge vermarktet werden. Daher richtet man sich nach dem jeweiligen Trend, um der Nachfrage entsprechend das Gewünschte liefern zu können. Bei Holz tut man sich Gott sei Dank schwer, dieses per Knopfdruck am Fließband erzeugen zu können. Es darf unter Gottes freiem Himmel heranwachsen, ehe es den notwendigen Rohstoff freigibt. Die Tanne (Abies alba) ist in dieser Kategorie ein Baum, der eher zu den Nebendarstellern zählt, sofern ich das laienhaft beurteilen kann. Fichte und Kiefer spielen da eine größere Rolle. Nach der diesjährigen Trockenperiode des heißen Rekordsommers zeigten aber die forstwirtschaftlichen Favoriten in meiner Heimat, dem nordöstlichen Waldviertel, entlang der mäanderreichen Thaya durchaus Schwächen. Vor allem die Fichten leiden bis heute unter einem massiven Befall durch den Borkenkäfer und müssen daher an viele Stellen frühzeitig dem Wald entnommen werden. Die Tannen trotzten hingegen dem Wassermangel. Der Grund dafür liegt sicher in ihren Herzwurzeln, die in tiefere Bodenschichten vordringen und somit leichter an lebenswichtiges Wasser heranreichen. Heute soll es aber nicht ums Holz gehen. Bevor das Weihnachtsfest gefeiert wird, an dem die Tanne unbestritten die Nummer eins darstellt, dauert es noch einige Zeit. Es kommt jetzt die Periode der ersten Erkältungen und grippaler Infekte. Die Brust ist in diesem Fall sowohl die Zone, die am meisten betroffen ist und die andererseits auch sehr von der Präsenz der Tanne profitiert. Es ist ihr eigen, genauso wie ihre anderen benadelten Kollegen im Baumreich wertvolles Harz zu liefern. Und dieses kann man durchaus für die Wiedererlangung der Gesundheit zum Einsatz bringen.

Kaumittel Tannenharz:

Bei Krankheiten, die einen übermäßigen Schleimfluss auslösen, wie es nun einmal bei Erkältungen üblich ist, kann man getrocknetes Harz von Weißtannen zu sich nehmen. Dazu kaut man 5- bis 6-mal am Tag je ein weizenkorngroßes Stück des Harzes eine Zeitlang im Mund, um es anschließend ganz zu schlucken. Dies kann einige Tage hintereinander gepflogen werden, um eine Besserungsphase sinnvoll zu unterstützen.


Tanne mit Holzscheibe ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Das Bittere am Gaumen umgehen

Kalmuswurzel über die Haut anwenden

Man könnte sprichwörtlich sagen, dass sich manche von uns den Mund schon öfters im Leben verbrannt haben. Das traf sicherlich dann zu, als die Wahrheit zwar effektiv zutreffend artikuliert wurde, die Ohren derer, denen jene Botschaft galt, jedoch nicht unbedingt offen für eine derartige Konfrontation waren. Mein physischer Gaumen verträgt im übertragenen Sinn z. B. keine heiße Suppe und keine sehr scharf gewürzten Speisen. Und viele von uns tun sich schwer, etwas Bitteres auf der Zunge landen zu lassen. Der Kalmus (Acorus calamus) zählt sicher zu den Kräutern, die wir zu den bitteren zählen dürfen. Einst im fernen Indien beheimatet, sorgten die Seefahrer vergangener Jahrhunderte schon dafür, dass dieses wasserliebende Gewächs bei uns heimisch wurde und zugleich auch Eingang in die naturheilkundliche Praxis fand. Wenn es jetzt wiederum herbstelt, dann sollten wir daran denken, erneut die Wurzeln verschiedenster Kräuter im wahrsten Sinne des Wortes zu heben und für den späteren Gebrauch in getrockneter Form zu konservieren. Beim Kalmus nimmt man den Wurzelstock vom Standort am Ufer eines stehenden Gewässers und schält denselben nach gründlicher Reinigung, um ihn schließlich zu halbieren und danach zum Trocknen aufzulegen. Bevor man ihn zu guter Letzt in einem verschlossenen Gefäß aufbewahrt, kann man ihn noch in kleinere Stücke zerteilen. Wie gesagt, sein bitterer Geschmack muss nicht unbedingt auf dem Gaumen zur Entfaltung kommen. Die Haut nimmt es sicherlich weniger krumm, wenn sie mit dem Kalmus in Berührung kommt.

Wurzelbad bei Erschöpfung:

Nach längerer Krankheit jeglicher Art dauert es oft eine längere Zeit, bis man wiederum auf Touren kommt. Man ist in der Regel viel rascher müde und abgespannt als normal. Um dem entgegenzuwirken, kann man ein Bad mit Kalmus nehmen. Dazu setzt man 80 g zerkleinerte Kalmus-Wurzeln 3 Stunden lang in 1 Liter Wasser an und kocht dann beides miteinander gut auf. Abseihen und ins Badewasser leeren. 15 Minuten in der Wanne bleiben, damit die Haut die belebende Kraft des Bitterkrautes aufnehmen kann.


Kalmus ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Eine Pflanze mit metallischem Klang

Das Eisenkraut schafft rote Wangen

Die Gewinnung von Eisenerz und dessen Verarbeitung hat in Österreich bereits lange Tradition. Davon künden nicht nur Regions- oder Talbezeichnungen, sondern auch die alljährlichen Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften. So sehr Eisen und seine Verarbeitungsvarianten unseren Alltag bestimmen, so wenig nehmen wir oft Kenntnis von der Pflanze, die nach diesem wichtigen Metall benannt ist. Das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis) hat seit alters her bei unseren Ahnen eine große Bedeutung gehabt. Viele Mythen sind bestückt mit der hohen Wirk- und Heilkraft des Krautes, so dass wir davon ausgehen dürfen, dass die Verbene (= ein weiterer Name des Eisenkrautes) schon viele Jahrhunderte vor uns hoch im Kurs stand. Und in der Tat bestimmen in der Pflanze enthaltene Gerb- und Bitterstoffe die vielfältigen Verwendungsformen desselben bei Krankheiten und Leiden. Als Grundflüssigkeit unseres gesamten Lebens dürfen wir wohl das Blut ansehen. Auch dafür hat das Eisenkraut etwas übrig. Es kann viele Gründe geben, warum mit diesem Lebenssaft etwas nicht stimmt. Immerhin ist es darüber hinaus ein Katalysator, um die meisten Krankheitsherde aufspüren und diagnostizieren zu können. Wenn mit dem Blut oder generell mit dem Organismus etwas nicht stimmt, dann können wir das darüber hinaus an der Farbe unseres Gesichtes ablesen. Natürlich wünschen wir uns rote Wangen und eine gut durchblutete Haut. Doch oft geben wir uns ein eher blasses Äußeres, ohne das womöglich dezidiert zu wollen. Das Eisenkraut kann uns helfen, dagegen anzusteuern.

Weinansatz mit Eisenkraut:

Ein Gemisch aus folgenden getrockneten Kräutern wird als erstes folgendermaßen zusammengestellt: 2 Esslöffel Eisenkraut, 1 Esslöffel zerkleinerte Wurzel der Blutwurz, 1 Esslöffel Spitzwegerich und 1 Teelöffel Wermut. Dies wird in 1 Liter qualitätsvollem Rotwein 8 Tage lang bei Zimmertemperatur angesetzt. Dann abseihen und im Dunklen kühl lagern. Bei Bleichsucht und sichtbarer Blutarmut je 2 Esslöffel pro Tag davon einnehmen.


Eisenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Kräutermischung für den Magen

Mit Hopfen ergänzen

Regeneration ist ein schönes Wort. Es bedeutet so viel wie Erneuerung von Grund auf oder Wiederherstellen des ursprünglichen Zustandes. Es gibt sehr viele Situationen in unserem Leben, wo wir uns wünschen, wieder ganz von vorne beginnen zu können. Gerade dann, wenn uns ein körperliches Leiden bedrückt, sehnen wir uns womöglich nach einem gesunden und schmerzfreien Leib. Kräuter, wie z. B. Kamille und Fenchel, können diesen Wunsch unmöglich im Handumdrehen herstellen. Es liegt jedoch in ihrer gottgegebenen Natur, uns mit ihren heilenden und aufbauenden Kräften in Situationen der Schwäche und der Krankheit zu begleiten. So will ich heute den Fokus auf den Magen richten, dessen gutes Funktionieren direkt mit einem physischen Wohlbefinden in eins geht. Andernfalls kennen wir die Diskrepanz zwischen dem, was wir fühlen und dem, was andere von uns erwarten, nämlich freundlich, geduldig und einfach nett zu sein. Das geht hingegen schlecht, wenn eben z. B. der Magen dabei nicht mitspielt. Da hilft aber alles Klagen nichts. Als besser erweist es sich, einen konkreten Schritt zu unternehmen, um als erstes etwas Vernünftiges zu trinken. Eine Tasse Tee schadet dabei in den meisten Fällen nicht. Von Kamille und Fenchel war schon die Rede. Ihre Namen liegen uns quasi auf der Zunge, würde uns jemand nach Kräutern fragen, die dem Magen schmeicheln. Sowohl dem Verdauungsorgan als auch dem Gemüt bietet darüber hinaus der Hopfen eine gesundheitsfördernde Unterstützung. So lasst uns also ihn den Dritten im Bund sein, wenn wir danach trachten, dem Magen eine Regeneration nach einer wie immer gearteten Beeinträchtigung zu gönnen.

Magenleiden begleiten:

3 x 3 kann hier als Devise gelten. Konkret heißt das: getrocknete Kamillenblüten, Fenchelsamen und ebenfalls getrocknete Hopfenzapfen werden zu gleichen Teilen gemischt. Im Heißaufguss bereitet man damit einen Tee. Von diesem trinkt man dann 3-mal am Tag je eine Schale voll, um dem Magen nach Übelkeit oder gar einer Entzündung der Schleimhäute wiederum auf die Sprünge zu helfen. Generell ist es jedoch ratsam, bei unbekannter Ursache eines Magenleidens die ärztliche Diagnose und die daraus folgende Therapie in Anspruch zu nehmen.


Kamillenzweiglein ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Reife Gurken durchaus schätzen

Die Haut damit verjüngen

Der Sonntag ist eine herrliche Erfindung des Schöpfers. Ja, Sie lesen richtig! Denn wir brauchen nur die ersten Seiten der Bibel aufzuschlagen, um darin zu lesen, dass der Allmächtige am siebten Tag ruhte und alles Lebendige mit Wohlwollen betrachtete. Der Mensch sollte nach Möglichkeit bis heute diesem Beispiel folgen. Man darf sich durchaus dabei etwas Gutes tun. Die Gurkenranken auf den Garten- oder Hochbeeten haben bisher auch schon Beträchtliches geleistet und geliefert. Kann sein, dass da und dort noch ein größeres Exemplar zu finden ist, das aufgrund seiner Größe und Reife nicht mehr zum Anrichten eines herrlich mundenden Salates geeignet zu sein scheint. Das ist aber noch lange kein Argument, um ihnen die letzte Ruhestätte auf einem Komposthaufen zu bereiten. Wie gesagt, beim gemütlichen Hineingleiten in den neuen Tag ist es auch besser möglich, sich bewusster im Badezimmerspiegel zu betrachten und dabei zu bemerken, dass die Haut unter dem Druck der täglich zu verrichtenden Arbeit doch ein wenig zu kurz kommt. Daher sollte ein schnell gefasster Vorsatz genau diesem Mangel Abhilfe schaffen. Der kann darin bestehen, indem man sich vornimmt, mithilfe natürlicher Mittel quasi einen neuen Pepp auf die verunreinigte und zugleich strapazierte Haut zu bringen, ohne dass man sie gleich – um ein allgemein bekanntes Bild zu bemühen – zu Markte tragen muss. Reife Gurken aus dem eigenen Garten sind genau richtig, um dieses Ansinnen in die Tat umzusetzen. Es muss ja nicht unbedingt der Sonntag sein, an dem man dies durchführt. Aber man könnte heute ja zumindest damit beginnen.

Gurken für innen und außen:

Gut ausgereifte Gurken, deren Schale womöglich bereits gelb geworden ist, werden mitsamt den Samenkörnern in einem Mixglas zu einer breiigen Masse zerkleinert. Diese nimmt man dann zur Hand, um damit das Gesicht gründlich abzureiben oder den Brei sogar einige Zeit darauf einwirken zu lassen. Zusätzlich sollte man auch rohe Gurken in einem vermehrten Maß genießen, um damit ebenfalls die Haut zu stärken. Wer eine eher fettige Haut besitzt, der wird diese Anwendung besonders zu schätzen wissen.


Gurke ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya