Heilvolle Partnerin auch für Tiere

Die ganze Bandbreite der Kamille ausschöpfen

Sich mit seiner naturgegebenen Umwelt auseinanderzusetzen, ist einfach eine Folge dessen, als gottgewollter Mensch das Licht dieser Welt erblickt haben zu dürfen. Diese Behauptung stelle ich einfach einmal so in den Raum, wofür meine Tätigkeit als Seelsorger und Naturfreund offensichtlich den Hintergrund bilden. In dem bahnbrechenden Dokument der jüngsten Enzyklika aus der Feder des Papstes Franziskus „Laudato si“, die sich auf die Beziehung des Menschen zur Schöpfung konzentriert, finden wir einen Appell an Gläubige und Nichtglaubende: „Die Berufung, Beschützer des Werkes Gottes zu sein, praktisch umzusetzen gehört wesentlich zu einem tugendhaften Leben; sie ist nicht etwas Fakultatives, noch ein sekundärer Aspekt der christlichen Erfahrung.“ Blicken wir doch heute daher einmal auf die Echte Kamille (Matricaria chamomilla). Mit diesem uns freundlichen Kraut verbinden wir eine Reihe von gesundheitsfördernden Wirkungen. Im Falle einer grippalen Erkrankung steht uns der Tee aus Kamillenblüten genauso zur Verfügung wie etwa bei einer Verstimmung des Magens oder einer Entzündung des Darmes. Wenn wir die Palette an heilenden Effekten, die von der Kamille ausgehen, aneinanderreihen, so lauten diese entzündungshemmend, wundheilend, krampflösend, schmerzlindernd, menstruationsregulierend, magenstärkend und blähungstreibend. Da kann sich gewiss ein jeder etwas herausgreifen, wenn man das eine oder andere zur nötigen Wiederherstellung des Wohlbefindens benötigt. Als Menschen aber, denen die Schöpfung zur liebenden Sorge anvertraut ist, dürfen wir uns auch um diejenigen kümmern, die als Lebewesen das Dasein mit uns teilen. Für Pflanzen kann man z. B. einen wertvollen Kompost über die Jahre lagern und reifen lassen, indem man ihn ab und zu mit etwas Kamillentee übergießt und so mit den guten Wirkstoffen anreichert. Genauso sollten wir aber auf die Tierwelt nicht vergessen, die uns in den Haustieren ganz besonders nahe steht und am Herzen liegt.

Kamille in der Tiermedizin:

In Form eines Tees, der im herkömmlichen Heißaufguss mit Kamillenblüten angerichtet wird, haben wir ein probates Hausmittel zur Verfügung, das auch unseren Haustieren zugute kommt. Ebenfalls kann er zusätzlich als Klistier oder lediglich äußerlich verwendet werden. Bei letzterer Form gelangt die erweichende, bazillentötende und entzündungswidrige Kraft zum Tragen, wenn es z. B. gilt, Geschwüre und Wunden zu reinigen und zu behandeln.


Kamille ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Sie können einem auf die Nerven gehen

Brennnesseln haben schmerzlindernde Wirkung

Mit allem, was uns lästig ist, haben wir mehr oder weniger unsere liebe Mühe. Und wer hat nicht schon einmal die Erfahrung gemacht, dass ein Gegenüber am Telefon offenkundig nicht merkt, wann es genug ist und munter drauf los erzählt und dabei vom Hundertsten ins Tausendste gelangt. Es bedeutet dann viel Geschick und Diplomatie, das Gespräch einem Ende zuzuführen, ohne den Dialog- (meist auch Monolog-) -partner vor den Kopf zu stoßen. Und im Garten kann ähnliches passieren. Schaut man sich eine Weile nicht um, so haben z. B. Brennnesseln im Handumdrehen manche Fläche erobert ohne uns anscheinend um Erlaubnis darum zu bitten. Mit einer Redewendung können wir das sehr gut umschreiben, wenn uns etwas auf die Nerven geht: es ist zum Aus-der-Haut-Fahren. Bevor wir das aber der wild wuchernden Brennnesseln wegen tun, sollten wir über deren heilenden Wert einmal nachdenken. Das sollten wir übrigens ebenfalls bei Mitmenschen tun, die uns je nach Stimmungslage lästig fallen, jedoch durch den einen oder anderen Dienst durchaus unserem Leben den Wert geben, den es für uns gegenwärtig besitzt. Physisch gesehen kann es im Handumdrehen passieren, dass wir uns in unserer Haut gar nicht wohl fühlen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sich irgendein Nerv entzündet und uns dadurch unsägliche Schmerzen bereitet. Häufiger passiert das im Kieferbereich, aber ebenso kann es rund um die Gelenke, am Rücken oder in der Beckenzone zu derartigen Beeinträchtigungen kommen. Da ist meist guter Rat teuer. Genau in diesen misslichen Lagen dürfen wir uns wiederum der Brennnessel entsinnen, die uns in ihrer Wuchskraft womöglich auf den Geist geht, weil wir selbst Hand anlegen müssen, um anderen Pflanzen an ihrer Stelle wiederum zum nötigen Platz zu verhelfen. Bei Nervenschmerzen erweist sich die Brennnessel als guter Freund. Am besten ist es, diesen mithilfe von Alkohol zu konservieren und so griffbereit in der Nähe zu haben, wenn die Nerven mit einem Schmerz nach Hilfe „schreien“.

Brennnessel-Auszug ansetzen:

2 Handvoll frisch gepflückter Brennnesseltriebe werden klein geschnitten und mit 1/2 Liter gutem Obstbrand oder Ansatzalkohol übergossen. In einem Glasgefäß, das sich verschließen lässt, stellt man beides zusammen ans Fenster und lässt es dort 14 Tage lang stehen. Danach abfiltrieren, mit destilliertem Wasser auf zirka 30 % Alkoholgehalt verdünnen und in kleinen braunen Fläschchen aufbewahren. Bei einem Schmerzanfall lässt sich dieser Auszug als Einreibung auf den betroffenen Stellen verwenden, um so wiederum eine Besserung herbeizuführen.


Brennnessel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Nutze und unnütze Bäume?

Die Ulmen bremsen das vorschnelle Werten

Was bringt mir eine Pflanze? Wozu ist sie gut? Was leistet sie für mich? – Das sind Fragen, die im Zusammenhang mit Kräutern sehr oft gestellt werden. Eigentlich möchte ich dann provokant zurückfragen, warum denn die Gewächse etwas leisten müssten, während wir den Urlaub genießen? Nun gut, bei dem bisher angefallenen Obst wie etwa Marillen, Pfirsichen oder Kirschen darf man ruhig von einem jahresmäßigen Ertrag sprechen. Und es ist ganz klar, dass alle Gartenfreunde, die einen früchtetragenden Baum auf ihren Grünflächen pflegen, die Erwartung einer guten und schmackhaften Ernte an ihren hölzernen Schützling stellen. Aber wie ist das z. B. bei der Ulme, die noch in unseren Wäldern anzutreffen ist? Meist handelt es sich dabei um die Art der Bergulme (Ulmus glabra), die im Gegensatz zu ihrer Verwandten, der Feldulme (Ulmus minor) viel weniger vom mittlerweile schon vor Jahrzehnten begonnenen Ulmenstreben betroffen ist. Ja, im Bezug auf das vielbeklagte Artensterben dürfen wir auch auf die Bäume achten und nicht nur auf seltene Vogel- oder Säugetierwesen, deren Rote Listen oft publiziert werden. Wahrscheinlich fehlt uns die Feldulme im allgemeinen Bewusstsein so wenig, weil der Baum ohnehin für den Normalverbraucher kaum etwas an Nutzen abwarf. Jeder Baum besitzt aber ein Wesen, das ihn einerseits von anderen unterscheidet und andererseits wie den einzelnen Menschen liebens- und schätzenswert macht. Wer eine Ulme länger betrachtet, der wird draufkommen, dass ihr sowohl das Erdhafte und Feste durch ihren mächtigen Stamm eigen sind, ihr aber genauso das Luftig-Leichte zukommt, da sie früh blüht und ihre Samen schon im Sommer zur Reife gelangen. Letztere können übrigens auch kulinarisch Einsatz finden. Danken wir dem Herrgott für jeden Baum, der uns mithilft, das Leben auf der Erde zu teilen und zu bereichern.

Schmackhafte Beigabe in der Küche:

Reife Samen der Bergulme, aber auch der seltenen Feldulme sowie der Flatterulme, kann man sammeln und trocken aufbewahren. Mit etwas kochmäßigem Geschick lassen sich diese rösten und als Beigabe für Wildgemüse-Gerichte, für Suppen und ebenso für Salate verwenden. Sie beinhalten nämlich einen geringen Anteil an Öl und bringen so einen ganz eigenen Geschmack in die erwähnten Speisen.


Bergulme ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Krämpfe lockern und lösen

Mit Gänsefingerkraut wider die Anspannung

In den Nachrichten stehen die neuesten finanziellen Entwicklungen in Griechenland und deren politisches Handling seit Wochen an vorderster Stelle. Manches macht uns dabei Angst, weil viele unbewusst wahrscheinlich um den Wertverlust des eigenen Geldes fürchten. Alles in allem eine sehr angespannte Situation. Fehlen die befreienden Visionen, wird der Alltag für die Griechen zum Krampf. Unser Leib besitzt sehr viele Muskeln und Sehnen, die alle möglichen Formen der Bewegung zum Zweck haben. Wer hierbei schon einmal ein Krampferlebnis hatte, weiß sehr wohl um die Notwendigkeit der Entspannung. Ein Kraut, das in diesem Anliegen eine Vision aufzuzeigen vermag, ist die Anserine (Potentilla anserina), die auch Gänsefingerkraut genannt wird. Oft wächst dieses zu den Rosengewächsen gehörige Kräutlein ganz unscheinbar auf der Wiese oder an Wegrändern, Zäunen und Mauern. Unter anderem ist einer der volkstümlichen Bezeichnungen dieser Pflanze auch Silberkraut. Das rührt von der Tatsache her, dass, wenn man ein grazil gefiedertes Blatt der Anserine abpflückt und es umdreht, seine Unterseite sehr wohl einen silbrigen Schimmer aufweist, was wiederum auf die dortige Blattstruktur mit einer silbrig-seidigen Behaarung zurückzuführen ist. Mit der Blattoberfläche hingegen hebt sich die Anserine kaum von den benachbarten Gräsern und Kräutern ab. Eine Zeit lang schafft es das Gänsefingerkraut dennoch auf sich aufmerksam zu machen. Dann nämlich, wenn seine goldgelben Blüten voll ausgebildet sind und den Rasen samt den Wegrändern gleich wie Sterne den nächtlichen Himmel schmücken. Wer sich also um die Gegenwart krampfhaft Sorgen macht, der sei einmal mehr darauf verwiesen, dass es in Gottes wunderbarer Schöpfung so manches gibt, das ohnehin dafür da ist, um die Vorsehung des Allmächtigen sichtbar und spürbar werden zu lassen. Das Gänsefingerkraut ist nur ein kleines Mosaiksteinchen inmitten der Gaben der Natur, die zu unserem Heil bestimmt sind.

Muskel und Sehnen entspannen:

Das blühende Anserinenkraut ohne Wurzel wird am besten bei schönem Wetter um die Mittagszeit gepflückt und getrocknet. Die zerkleinerte Droge übergießt man dann in der Menge von 2 Teelöffeln mit 1/4 Liter siedendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und hernach abseihen. Hat man Probleme durch Schmerzen an Sehnen und Muskeln, die mit Krämpfen einhergehen, so nimmt man über 3 Wochen günstiger Weise am Morgen und am Abend je 1 Schale dieses Tees zu sich.


Gänsefingerkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das Innere festigen

Mit Lavendel und Majoran

Wollte jemand jetzt damit beginnen, ein Trainingsprogramm für eine ideale Sommerfigur zu starten, darf dieser sich die Frage gefallen lassen, ob das nun nicht reichlich spät sei. Gewiss ist es nie zu spät, die Muskel und Gelenke zu betätigen, um fit zu bleiben und überschüssige Fettzellen zu verbrennen. Das beweist allein schon der immer stärkere Zulauf zu den städtischen Fitness-Centern. Doch finde ich es recht eitel, wird dieser Aufwand nur um der schöneren Körperfassade willen betrieben. Was generell zu sehr vernachlässigt wird, sind meines Erachtens doch die inneren physischen Vollzüge und Organe. Hand aufs Herz: die werden doch immer erst unter die Lupe genommen, wenn die gesundheitliche Ampel nach einer ärztlichen Untersuchung bereits auf Gelb steht. Eine Farbe, die vorerst gar nichts mit einer Warnung oder einem Verkehrszeichen zu tun hat, ist das angenehme Blauviolett, das sich auf einem Lavendelstock ausbreitet, sobald er in voller Blüte erscheint. Der einst mediterrane Lippenblütler ist mittlerweile so etwas wie das „Muss“ eines jeden Kräutersommers. Will man sich etwa im Vorübergehen ein wenig erfrischen, dann genügt es, mit der Handfläche und den Fingern über die Lavendeltriebe zu streichen, um gleich hernach diese zur Nase zu führen und kräftig einzuatmen. Warum sollte man auf derartige aromatische Freunde verzichten, solange diese uns kostenlos zur Verfügung stehen? Durch das Aufziehen des Lavendelduftes in unseren Atembereich wird schon vieles bewirkt. Die in den Blättern und Blüten enthaltenen ätherischen Öle erweisen sich als durchaus positiv stimulierend für den gesamten Organismus. Natürlich gibt es noch eine weitere Möglichkeit, den frischen Lavendel sinnvoll für unsere Gesundheit zu nützen. Unser Magen und Darm brauchen in gleicher Weise einen unterstützenden Akzent für ihre permanente Arbeit im Inneren des Körpers. Denn auch dort könnten sich schlechterdings Infekte einstellen, die einem das Leben ziemlich trüben können. Lavendel hält im Duo mit dem Majoran genau diese Zone fit und vital.

Ein Hausmittel mit Lavendel und Majoran:

Um den Verdauungstrakt vorbeugend wider Entzündungen zu stärken, kann man für einige Zeit einen wertvollen Tee trinken. Dazu nimmt man frisches blühendes Lavendelkraut sowie ebensolche Triebspitzen vom Majoran und zerkleinert diese mit einem Messer. Dann mischt man je 1 Teelöffel von beiden zusammen und übergießt die Kräuter mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, hernach abseihen. Um die Magen- und Darmgegend zu stärken, trinkt man am besten morgens auf nüchternem Magen und am Abend 1/2 Stunde vor der letzten Mahlzeit jeweils 1 Schale voll davon.


Lavendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Majoran ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Nichts unversucht lassen

Rosenblüten und Zahnschmerzen

Der Sommer lädt ein, die Freiheit auszukosten und zu genießen. Einfach ein paar Stunden oder Tage das tun zu dürfen, was man will, ist einerseits ein Luxus, andererseits aber auch notwendig, um endlich einmal Abstand zum Trott und oftmaligen Leistungsdruck des Alltags zu erhalten. Diesem Wunsch kann aber leider im Handumdrehen ein Strich durch die Rechnung gemacht werden. Das passiert z. B. dann, wenn man im Kieferbereich einen pochenden Schmerz konstatiert, der eindeutig von einem Zahn ausgeht. Mit einem Strauß voller Rosen wird den Gepeinigten wohl kaum weitergeholfen werden können! Oder doch? Nun, um noch einmal auf das Thema Urlaub zurückzukommen: Was einem selbst lieb und teuer ist, das sollte man gerechterweise ebenso anderen zugestehen. Darunter fallen natürlich auch die Ärzte, die ohnehin zur Stelle sind, wenn wir ihre Präsenz im Krankheitsfalle durchaus zu schätzen wissen. So ungern man aufgrund bohrender Erfahrungen im wahrsten Sinne des Wortes die Zahn- und Kieferspezialisten aufsucht, so ist man gleichzeitig bei der stechenden Pein eines entzündeten Zahnnervs dankbar, wenn es in Form eines helfenden Mediziners die ersehnte Erlösung gibt. Da dies aber nicht unbedingt im Handumdrehen vonstatten geht, sondern man im Regelfall auf einen freien Termin warten muss, sollte man nach Möglichkeiten suchen, die so entstehende Wartefrist zu überbrücken. Ohne sofort eine chemisch pharmazeutische Keule zu schwingen, die den Schmerz vorübergehend in die Schranken weist, gibt es z. B. mithilfe der herrlich blühenden roten Rosen aus dem Garten eine Weise, um etwas mehr Frieden bei Zahnschmerzen in die Mundhöhle zu bringen. Dafür benötigt man aber nicht einen ganzen Strauß, sondern lediglich ein paar vorhandene Blüten und etwas guten Wein.

Blütenblätter der Rosen in Wein kochen:

Die Zutaten sind ganz leicht besorgt. Es genügt eine Flasche naturbelassenen Rotweines und eine Handvoll roter Rosenblüten. Von letzteren zupft man die Blütenblätter ab. Dann kocht man 1/4 Liter des Rotweines auf und fügt beim Sieden desselben 2 volle Esslöffel Blütenblätter hinzu. Kurz beides zusammen aufwallen und anschließend 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen. Bei Zahnschmerzen spült man wiederholte Male am Tag den Mund mit dem lauwarmen Rosenwein aus, um eine Linderung des unangenehmen Zustandes zu erreichen.


Rote Rose ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den Dampf ablassen

Mit dem Dost als heilsamen Regulator

Wenn das Wetter mitspielt und es nicht allzu trocken ist, kann da und dort in Österreich ein Zug bestiegen werden, der mittels einer Dampflokomotive die einzelnen Stationen anfährt. Andernfalls könnte der damit verbundene Funkenflug ganz schnell einen unerwünschten Flurbrand verursachen. Für mich sind diese alten Maschinen jeweils ehrfurchterregend und bewundernswert. Der menschliche Körper ist dagegen ganz anders konstruiert. In diesem sollte es nur sehr geringe Mengen an Druck und Gasen geben. An vorderster Stelle steht der Dost (Origanum vulgare), den wir auch unter den Bezeichnungen Oregano oder Wilder Majoran kennen, wenn es gilt, im Darm- und Magenbereich entstandene Gase zu verringern. Viele von den Lesern dieser Zeilen sind wahrscheinlich schon bei einem Waldspaziergang am Dost vorbeigeschlendert, ohne zu wissen, welche wertvolle Hilfe unweit des Weges wächst. So steht er gerne in lichten Wäldern, auf Schlägen und an Waldrändern. Manchmal ist er aber auch direkt auf einer Wiese oder inmitten der Heidelandschaft zu entdecken. Jetzt, in den Monaten zwischen Juli und September, wäre die beste Zeit, den Dost etwa eine Handbreit über dem Boden abzuschneiden und dann vorsichtig im Schatten zu trocknen. Die Blätter und Blüten des Dosts rebelt man anschließend von den Trieben ab, um ihn dauerhaft verwenden zu können. Denn auch in anderen Anliegen kann dieses Kraut zum Segen werden. Bei Stirnhöhlenentzündungen ist es nicht das Schlechteste, mithilfe eines dampfenden Aufgusses von Dostkraut zu inhalieren. Da bewähren sich vor allem die zusammenziehenden und keimtötenden Eigenschaften dieser herrlich duftenden Gewürzpflanze. Um aber nicht unbedingt wild wachsende Exemplare benützen zu müssen, kann man darangehen und dafür sorgen, dass es im Garten einen eigenen Platz gibt, wo man Jahr für Jahr den Dost hegt und erntet.

Lästigen Blähungen entgegenwirken:

Verursachen Gase, die aufgrund einer irregulären Verdauung bzw. dem Konsumieren dafür verantwortlicher Speisen entstehen, die uns bekannten Wirkungen, erweist sich ein Dost-Tee als wertvolle Hilfe. Dazu wird das getrocknete und zerkleinerte Kraut in der Menge von 2 Teelöffeln mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Vor jeder Mahlzeit trinkt man am besten 1/2 Stunde davor 1 Schale voll, um wieder Frieden im Bauch zu erhalten.


Dost oder Oregano ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Kolonisierung einmal in die andere Richtung

Der Schmalblättrige Sonnenhut hat das geschafft

Die Geschichten von den fremden Indianern aus dem Wilden Westen haben längst ihren Reiz und ihren Zauber verloren. Kinder sind heutzutage viel zu viel mit anderem beschäftigt, was meiner Meinung nach nicht unbedingt zur Steigerung ihrer Phantasie beiträgt. Zu meiner Zeit, die ich im Kindergarten und in der Volksschule verbringen durfte, war man noch stolz, eine Figur aus Karl Mays Romanen verkörpern zu können. In unseren Gärten aber begegnet man immer häufiger einem botanischen „Indianer“, der aufgrund seiner Beliebtheit gleichsam eine Kolonisierung Richtung Osten, sprich Europa, durchgeführt hat. Der Schmalblättrige Sonnenhut (Echinacea angustifolia) ist ja ohnehin allen an der Naturheilkunde Interessierten kein Fremder mehr. Dazu haben u. a. etliche pharmazeutische Produkte beigetragen, die in den letzten Jahren medial beworben wurden. Diese beinhalten aufbereitete Stoffe aus dem Sonnenhut, der im Übrigen der pflanzlichen Familie der Korbblütler angehört. Als Zierpflanze eignet sich aufgrund seiner Blütengröße der so genannte Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea) besser, obwohl auch er zu heilzwecklicher Verwendung taugt. Dennoch konzentriert man sich bei der Verarbeitung eher auf seinen schmalblättrigen Bruder. Nun, wenn man schon Kräuter im Frühjahr ausgesät und ihnen eine oft mühevolle Aufmerksamkeit in Form des Jätens, Gießens und des Abwehrens der allzu lästigen und gefräßigen Nacktschnecken geschenkt hat, so möchte man doch auch einen Nutzen davontragen, indem das Kraut möglichst eigenhändig auch verarbeitet wird. Jeder, der den Sonnenhut in voller Blüte bei sich stehen hat, kann z. B. eine Tinktur ansetzen, die mittels Einreibung der Haut stärkend und belebend auf den ganzen Organismus wirkt.

Sonnenhut-Tinktur fabrizieren:

Zunächst benötigt man ein Gemisch aus frisch abgezupften zerkleinerten Blättern und Blüten des Schmalblättrigen Sonnenhutes, die zuvor gereinigt wurden. 150 g davon werden mit 1 Liter reinem Weingeist übergossen und in einem gut verschlossenen Glasgefäß 2 Wochen lang in die Sonne gestellt. Täglich rührt man das Ganze einmal durch. Zuletzt abseihen, den pflanzliche Rückstand mit 1/2 Liter gekochtem und bereits ausgekühltem Wasser übergießen, durchrühren und ca. 3 Stunden lang stehen lassen. Wiederum abseihen und zur ersten Flüssigkeit gießen. Nochmals 14 Tage im warmen Raum ans Fenster stellen, dann in braune Fläschchen abfüllen und mindestens 3 Monate vor dem Gebrauch dunkel und kühl lagern.


Roter Sonnenhut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wie Kerzen am Flussufer

Der Blutweiderich blüht wieder

Es braucht meinerseits nicht viel Aufmerksamkeit, bis ich ihn entdecke. Denn im Hinterkopf läuft den Sommer über bei mir die Frage: Was zeige ich den Interessierten, wenn ich die nächste Kräuterwanderung durchführe? Und in der Tat ist es nicht selbstverständlich, dass an ein und demselben Standort ein ganz bestimmtes Gewächs, das im Vorjahr noch zu entdecken war, auch heuer wiederum zu finden ist. Beim Blutweiderich (Lythrum salicaria) aber kann ich mir ziemlich sicher sein, ihn an den Fluss- und Bachufern anzutreffen und zu entdecken. Selbst dann, wenn ich unaufmerksam bin, fallen mir seine rosa-violetten Blütenkerzen im Augenwinkel auf, so intensiv hebt er sich vom ihn umgebenden Grün ab. Dass er heilende und schmerzlindernde Kräfte in sich birgt, verrät allein schon sein wissenschaftlicher Name, der den Stoff Salicyl-Säure extra artikuliert. Viele wissen sicherlich die Verwendung dieser Substanz zur Herstellung etlicher Medikamente. In dieser Pflanze kommen noch Bitter- und Gerbstoffe hinzu, die ihrerseits wiederum einen zusammenziehenden Effekt auslösen. Das kommt dann z. B. Frauen zugute, die unter einer vermehrten Blutung der Gebärmutter leiden. Selbstverständlich ist in diesem Fall ein Gang zum Arzt / zur Ärztin des Vertrauens unumgänglich, um eine genaue Diagnose der Ursache des Missstandes samt einer heilvollen Therapie erhalten zu können. Aber als hilfreiches Kraut kann der Blutweiderich allemal seine natürlichen unterstützenden Dienste erweisen, die dem Körper sicher nicht schaden. Weit harmloser sind dagegen immer wieder auftretende Verstimmungen des Magen- und Darmtraktes, die landläufig oft unter dem Sammelbegriff Magen- oder Darmgrippe zusammengefasst werden. Hierbei handelt es sich zwar nicht um einen medizinisch exakten Begriff, doch jeder weiß wohl, was damit gemeint ist. Es wäre schade, in diesem Umstand auf den Blutweiderich zu vergessen.

Blutweiderich im Kaltansatz:

Vom Blutweiderich kann man die frischen Blätter und Triebspitzen abzupfen und mit einem Messer kleinschneiden. 1 Esslöffel davon übergießt man anschließend mit 1/4 Liter kaltem Wasser und lässt beides zusammen 12 Stunden lang in einem zugedeckten Behälter stehen. Danach abseihen und gleich zimmerwarm trinken. Die beste Wirkung erzielt man, wenn der Ansatz in den Morgenstunden konsumiert wird. Blutweiderich-Tee ist vor allem bei Magen-Darm-Entzündung, bei einem Katarrh in diesem Bereich und bei einer Verstimmung des Verdauungstraktes ratsam.


Blutweiderich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Dunkelheit des Alltags aufhellen

Lindenblüten heben das Gemüt

Freibier und ein Gratiswürstel sind allemal ein Magnet für Besucher diverser Feste. Selbst, wenn man für Speis und Trank etwas zu berappen hat, ist es noch lange keine Grund, der wie immer gearteten Feier fern zu bleiben. Jetzt im Sommer steigen noch etliche Partys und Events, die sich einer großen Besucherzahl erfreuen dürfen. Bei den uns allen lieben Bienen gibt es durchaus Vergleichbares. Zwar fühlen die sich kaum von Bratenduft oder schaumbekrönten Krügerln angezogen, doch strömt alles flugfähige und arbeitende Immenvolk herbei, wenn eine Linde (Tilia) in voller Blüte steht. Je nach Art und Region zieht sich die Blühperiode dieser oft mächtigen Schattenspender über mehrere Wochen dahin. Und wer würde nicht den herrlichen Duft schätzen, der einem blühenden Lindenbaum entströmt. Die für den kommenden Herbst und Winter bereits geernteten und getrockneten Blüten müssen aber nicht darauf warten, bis die nächste Grippe mit Fieber und Gliederschmerzen die davon betroffene Person für einige Zeit im Bettlager verweilen lässt. Gewiss ist es gerade dann sehr gut, ausgiebig zu schwitzen und dafür die Lindenblüten als Unterstützung zu verwenden. Es gibt auch seelische Beeinträchtigungen, die gleich einem grippalen Infekt quasi von einer Stunde auf die andere über einen hereinbrechen können und die es zu bewältigen gilt. Wir sprechen dabei von depressiven Zuständen, die sowohl unsere Lust an der anstehenden Arbeit als auch unsere Motivation, Perspektiven für die ferne oder nahe Zukunft zu entwickeln, lähmen können. Äußere Einflüsse dieser Art sind durch Schicksalsschläge wie Todesnachrichten von Angehörigen, Diagnosen von schwer zu heilenden Krankheiten oder persönlichen Enttäuschungen durch Partner oder Arbeitgeber im Handumdrehen gegeben. Ein innerlich gefestigter und robuster Mensch kann trotz allem äußeren Anschein dennoch genauso getroffen sein wie nervlich nicht so starke Zeitgenossen. Eine Linde vermag über ihre Blüten einen positiven Akzent zu übermitteln, der einem depressiven Gemüt wiederum auf die Sprünge helfen möchte. Bei schwerer wie auch immer gearteter Depression hingegen sollte man unbedingt eine kompetente ärztliche Konsultation in Anspruch nehmen.

Depressive Verstimmungen begleiten:

Neben Melisse, Hopfenblüten und Majorankraut sind es vor allem Lindenblüten, die einem niedergedrückten Gemüt das Schwere nehmen und einen wieder zuversichtlicher sein lassen können. Dazu trinkt man am besten eine Zeit lang in der Früh und am späten Nachmittag je 1 Tasse Tee, die man mithilfe getrockneter Lindenblüten im Heißaufguss anrichtet. In diesem Fall erweist es sich als günstig, den fertigen Aufguss zusätzlich mit etwas Honig zu süßen.


Lindenblüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya