Die Ochsenzunge und der Heuschreck

Der Kräuterpfarrer macht eine Pause

Ein Mitbruder im Dienst der Seelsorge, der auch mit mir zusammen die Schulbank im Gymnasium drückte, hat von den Rindern eine sehr hohe Meinung: er bezeichnet sie als äußerst meditative Lebewesen. Ich kann ihm in dieser Anschauung nur beipflichten. Denn wenn viele von uns nun die Zeit nutzen, um im Urlaub auszuspannen, führen die Bergtouren in alpinen Destinationen unweigerlich über die Almwiesen, wo wir die vierbeinigen Milchlieferanten friedlich das Gras abweiden oder beim Wiederkäuen lagernd sehen. Grad noch ging ich durch den Geraser Konventgarten und entdeckte auf einem Stück Wiese eine sehr schmucke Pflanze: eine Gemeine Ochsenzunge (Anchusa officinalis) in voller Blüte samt einem rastenden Heuschreck darauf. Mein Fotoapparat ermöglichte es, dass ich diese Idylle heute direkt meinen Lesern übermitteln kann. Wenn mich nun jemand nach dem Heileffekt dieses durchaus schön erscheinenden Gewächses fragen würde, dann könnte ich die Auskunft geben, dass die Ochsenzunge, die übrigens wie das Vergissmeinnicht zur Familie der Raublattgewächse gehört, in früheren Jahrhunderten durchaus Verwendung fand. Heute aber nimmt man davon Abstand, da ihre Pflanzenteile eine gewisse Giftigkeit aufweisen. Die Momentaufnahme aus unserem Klostergarten hat mich jedoch bewogen, innezuhalten und mir angeregt durch den Namen der schönen Blume zu sagen: Gönne Dir etwas Ruhe, verweile ein wenig mitten in der Natur und denk nicht daran, was in den nächsten Minuten und Stunden schon wieder zu erledigen wäre. Der Ochse und das Rind verwenden ihre Zunge zum Säubern und zum Wiederkauen. Das braucht Zeit. Warum sollte sich der Mensch das nicht ganz bewusst gönnen.

Den Augenblick und die Zeit nutzen:

Bis zum 13. Juli macht der Kräuterpfarrer zusammen mit seiner Kolumne Urlaub. Dabei hat er die Möglichkeit, mitten in der Natur einmal für sich selbst das in Anspruch zu nehmen, was er sonst tagtäglich an dieser Stelle versucht, weiterzugeben. Auftanken, den Augenblick ohne Zutun sein zu lassen und die Zeit als Geschenk annehmen. Der Heuschreck auf dem Bild hüpft auch nicht gleich weiter. Er rastet und genießt. Ich will das ebenfalls tun. Aber nicht, ohne mich bei Ihnen, liebe Leser, bis zum 14. Juli zu verabschieden und im Geiste meinen weißen Hut vor Ihnen zu ziehen. Gott segne auch Ihre Zeit!

Ochsenzunge mit Heuschreck ⓒ Foto: Kräuterpfarrer Benedikt Felsinger O.Praem.

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