Und noch ein Kraut von der Alm

Die Echte Meisterwurz liebt die gute Aussicht

In einem seiner zahlreichen Bücher befasste sich mein Vorgänger Hermann-Josef Weidinger eingehend mit der Echten Meisterwurz (Imperatoria ostruthium). In einer Beschreibung aus dem Jahr 1984 findet man dort einen eigenen Absatz über die volkstümlichen Bezeichnungen dieses Doldenblütlers. Von den einfachen Leuten in den gebirgigen Regionen schon seit jeher geschätzt, kommt darin eben eine innige Beziehung zwischen Mensch und Pflanze zum Ausdruck, die meiner Meinung nach mit dem Phänomen verglichen werden kann, dass wir vertrauten Freunden und Bekannten gerne einen Kurz-, Spitz- oder gar Kosenamen verleihen. Also, wie sieht das bei der Meisterwurz aus? Es gibt da eine ganze Litanei, wie etwa Astranze, Austriz, Beizenwurz, Bergwurz, Galskraut, Gerisch, Grindwurzel, Horstrinze, Kaiserliche, Kaiserwurz, Krumputzwurzel, Magistranz, Ostranz, Ostruzwurz, Rauschwurz, Salzkraut, Sanktpaulswurzel, Sirenenwurz, Sterndolde, Stranzen, Stubwurz, Tropfenwurz, Wohlstandswurzel und Ziegerkraut. Ich hoffe, Ihnen ist jetzt beim Runterlesen nicht ganz schwindlig geworden. Aber immerhin gibt es da ja das Kraut der Meisterwurz, die neben anderen Effekten auch eine beruhigende Wirkung aufzuweisen hat. Der in der Überschrift zu findende geläufige Name des Heilgewächses besagt schon, dass diesem vor anderen der Vorzug gegeben wurde. In antiken Schriften sucht man jedoch vergeblich nach einer Nennung der Meisterwurz. Das erste Mal wird sie von der heiligen Hildegard von Bingen beschrieben. Als Standort bevorzugt diese Pflanze eher kalkigen und steinigen Boden wie Bergmatten, Gebüschzonen und feuchte Schutthalden. Dort, wo der Schnee des Winters in den Bergen lange liegen bleibt und die Vegetationsperiode eher kurz dauert, ist die Meisterwurz durchaus zu finden. Holt man sich diesen Doldenblütler in den Garten, schätzt er wiederum die Gesellschaft mit einem Holunderstrauch in seiner Nähe.

Furunkel abklingen lassen:

Aus dem Erfahrungsschatz Weidingers gibt es folgende Empfehlung: Pulverisierte Meisterwurzdroge mit Schrot aus Bockshornkleesamen zu gleichen Teilen abmischen und mit ein wenig Wasser zu einem Brei rühren. Mithilfe eines Verbandes legt man dieses Gemisch auf die Furunkel auf und lässt den Verband 8 Stunden darauf. Dann auf jeden Fall wechseln und erneuern. Die betroffene Stelle kann zwischendurch öfter mit Meisterwurztee abgewaschen werden.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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