Tiefblau und wirkkräftig

Der Wacholder hat Zapfen in Beerenform

Geht man durch einen Wald, der zum großen Teil mit Nadelbäumen bestückt ist, erblickt man über kurz oder lang Zapfen, die von hoch oben auf den Boden gefallen sind. Dabei handelt es sich meist um die Samenstände der Fichten, Föhren und Lärchen. Denn auf den Tannenbäumen springen die einzelnen Zapfenschuppen bei ihrer vollen Reife auf und schleudern so die Früchte in die Luft, damit der Wind für ihre Verbreitung direkt „ab Baum“ sorgt. Trifft man in freier Natur oder im eigenen Garten aber auf einen Wacholderstrauch (Juniperus communis), so findet man darauf und darunter auf den ersten Blick grüne oder schon ausgereifte blaue Beeren. Aber die Gestalt dieser würzigen Früchte täuscht. Denn im Laufe des Heranwachsens einer so genannten Wacholderbeere verschmelzen die ursprünglichen drei Schuppen des Zapfens und umhüllen sich mit Fruchtfleisch. Das ist ein bewundernswertes Phänomen inmitten unserer europäischen Flora. Mir selber ist der Wacholder seit langem sehr sympathisch. In meinem Elternhaus steht vor dem Küchenfenster ein stattlicher Wacholderstrauch, der bereits etliche Jahre auf seinem Buckel hat. Dieser diente schon vor Jahrzehnten als Zufluchtsort für die Vögel am winterlichen Futterhäuschen, wenn zufällig wieder einmal der Sperber durch sein plötzliches Auftauchen die hungrigen gefiederten Sänger aufschreckte, um mit gutem Glück einen davon zu erhaschen. Der dichte Wacholderbusch rettete da so manchem Piepmatz das Leben. Dass man aus den Beerenzapfen des Kranewittbaums, wie der stechende Freund landläufig genannt wird, einen Schnaps gewinnen kann, ist vielen bekannt. Doch es gibt auch Alternativen dazu.

Wacholderlikör bei Magenverstimmung:

Vorerst braucht man ca. 40 Wacholderbeeren, die man zerdrückt und in eine weiße Literflasche gibt. Diese füllt man mit einem guten Obstbrand auf und stellt sie 14 Tage lang verschlossen in die Sonne am Fenster. Abseihen und 350 g Rohzucker mit ein wenig destilliertem Wasser auflösen, danach unter den Ansatz rühren. Noch 3 Monate kühl und dunkel lagern. Dann kann man bei schlechtem Magen ab und zu ein Stamperl voll genießen, um sich wieder besser zu fühlen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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